Schlaglicht

Zwischen Freihandel und drohender Abschottung

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die politischen Entwicklungen im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen in den USA sind von zentralem Interesse für europäische Versicherungskonzerne. Auch die Herausforderungen der Integrated Industry - Leitthema der heute zu Ende gehenden Hannover Messe - bewegen Industrie und deren Risikoträger sowohl in Deutschland wie auch im Partnerland USA zentral.
Jenseits des Atlantiks wird die Digitalisierung von Technik maßgeblich vorangetrieben. 8,5 Prozent aller Exporte aus Deutschland gehen dorthin, von dort kommen 5,3 Prozent aller Importe nach Deutschland.
Der gigantische US-Markt ist daher für die europäischen Versicherungskonzerne keine quantité negligable. Munich Re bekommt ein Fünftel ihres Geschäfts aus den USA, bei der Swiss Re stammt sogar jeder dritte Prämiendollar aus Übersee, in absoluten Zahlen sind das neun Mrd. Euro bei der Munich Re und zehn Mrd. Dollar bei der Swiss Re. Die Allianz betreibt 60 Prozent ihres Asset-Management-Geschäfts in den USA, in der Lebensversicherung zeichnen die Münchener dort ein Sechstel ihres globalen Geschäfts, das waren 10,5 Mrd. Euro im Jahr 2015. Zurich ist mit ihrer US-Tochter Farmers Exchanges die Nummer neun im Schadenversicherungsmarkt. Aber auch Axa, Aegon und Talanx (vor allem über Hannover Rück) haben bedeutende Operationen in den USA.
Durch das Freihandelsabkommen TTIP würde ein Wirtschaftsraum mit 820 Millionen Menschen entstehen, ein enormes Gewicht gegen die drohende Übermacht aus Asien. Vor allem in London setzt man sich stark dafür ein, die Regulierung des Finanzsektors nach 2008 über TTIP zurückzudrehen. Kontinentaleuropa zieht mit.
Ende Oktober 2015 zeigten sich auch die US-Versicherer bereit, im Rahmen von TTIP auf die europäischen Versicherer zuzugehen. Sowohl die American Insurance Association (AIA, 350 Versicherer, 140 Mrd. Dollar Prämie) als auch der American Council of Life Insurers (ACLI, 90 Prozent Marktabdeckung) unterstützen ein engeres Zusammengehen mit der EU.
Die Versicherungsaufsicht in den USA ist zersplittert, jeder Bundesstaat hat seinen eigenen Commissioner und seine eigenen Regeln. Globalisierung und Digitalisierung gingen an diesem Privileg der Bundesstaaten spurlos vorbei. In Reaktion auf Solvency II hat die Obama-Administration 2010 ein Federal Insurance Office (FIO) ins Leben gerufen. Doch die dem Finanzministerium unterstellte Behörde kommt über Berichtswesen und beratende Funktionen nicht hinaus.
"Die USA und Europa haben eine lange Partnerschaft in transatlantischer Regulierung von Versicherungsmärkten, welche die Finanzkrise überdauert hat", sagte Monica J. Lindeen. "Ich bin mir sicher, dass diese Verbindungen sich vertiefen werden und dass die Versicherungsmärkte immer stärker miteinander verbunden werden." Lindeen beaufsichtigt die Versicherer im US-Bundesstaat Montana und präsidiert die NAIC. Die Kandidaten für den Präsidentenjob im Weißen Haus wollen die USA stärker gegenüber ausländischer Konkurrenz abschotten. Manch einer fürchtet eine Rückkehr zum Protektionismus. (vwh/ba)
Bild: Canuckboy/ sxc
Report: Zäune und Mauern. Die Wahlkampfrhetorik in den USA lässt für die transatlantischen Wirtschafts-Beziehungen nichts Gutes erahnen. (Einzelbeitrag)
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