Politik & Regulierung

Fuest schlägt nachrangige Anleihe für Euroländer vor

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Mit einem neuen Vorschlag zur Lösung der Euro- bzw. Staatsschuldenkrise ist Clemens Fuest, Nachfolger des scheidenden Ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn am Münchener Ifo-Institut, zum Auftakt seiner Amtseinsetzung auf der gestrigen Ifo-Jahreshauptversammlung an die Öffentlichkeit getreten. Das Konzept wurde entwickelt in einer noch unveröffentlichten Studie für die Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft.
"Ab einer Neuverschuldung von 0,5 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung, die im europäischen Fiskalpakt vereinbarte Höchstgrenze, sollten die Staaten nur noch nachrangige Anleihen ausgeben können", konkretisierte Fuest am Donnerstag in München sein Konzept: "Wenn die Staatsschuldenquote 120 Prozent überschreitet, fallen dabei die Zinszahlungen aus, die Anleihen werden automatisch verlängert, bis diese Schwelle wieder unterschritten wird. Wenn ein Land ein ESM-Programm beansprucht, fallen die Anleihen ganz aus. Dies führt dazu, dass die Gläubiger stärker haften und nicht die Steuerzahler, auch nicht in anderen Ländern", so Finanzwissenschaftler bei seiner Auftaktpressekonferenz. Hier im Video die Einzelheiten:
Mit diesem Vorschlag setzt Fuest, ganz im Sinne der Ifo-Satzung, raus aus dem Elfenbeinturm und hinein in die öffentliche Diskussion, seine erste eigene Duftmarke als Institutsleiter. Mit Blick auf die anschwellende Diskussion um einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ("Brexit") sieht Makroökonom Fuest neben England selbst auch Deutschland als Hauptverlierer. Den Briten drohe dabei allerdings bis zum Jahr 2030 ein Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von bis zu 30 Prozent.
Der Standort Deutschland leidet zu sehr, so Fuest weiter, an einem Zu-Viel an Ablehnung: Ablehnung von Biotech, Nanotech, Gentechnik, Nuklearforschung, jetzt noch TTIP usw. und so fort. Doch beim Thema Bargeldabschaffung reihte sich der neue Mann auf der Brücke des Forschungsinstituts auch in die Phalanx der Ablehner ein. Das Freihandelsabkommen TTIP sei im Interesse Deutschlands als Handelsnation, mehr Transparenz sei aber dennoch notwendig.
Speziell die Versicherungswirtschaft, als größte private Kapitalsammelstelle in Deutschland, sehen beide Ökonomen vor großen Aufgaben. Konkret an diesem Beispiel machten Sinn wie Fuest ihre Kritik an der Niedrigzinspolitik der EZB fest. Auf die Frage von VWheuteTV, worin denn die größten Risiken für die deutsche Wirtschaft im Allgemeinen und die für die Versicherungswirtschaft im Besonderen bestünden sagten Sinn und Fuest:
Präsidenten kommen und gehen, das Ifo bleibt, so Hans-Werner Sinn in seinem Abschlußstatement. Das wird wohl auch auf die EZB zutreffen, denn eine Ende des Euros sehen beide Wirtschaftsexperten nicht. (vwh/ak)
Bild: Der alte Präsident Hans-Werner Sinn (rechts) begrüßt den neuen Präsidenten Clemens Fuest im Amt des Ifo-Präsidenten. (Quelle: Alexander Kaspar)
Hans Werner Sinn · Clemens Fuest
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