Schlaglicht

Versicherung 4.0: Schlüsseltechnologien und ihre Risiken

Von Rafael KurzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Industrial Automation, Digital Factory, Energy, Industrial Suppy sowie Research & Technology - die Schlüsseltechnologien der Integrated Industry bringen Chancen und Risiken für die Versicherungswirtschaft. Höchst vernetzte Risiken und deren Transfer sind die entscheidenden Faktoren zur erfolgreichen Transformation traditioneller Industriebereiche - mit der Hilfe von Versicherern als Gewährleister wirtschaftlicher Zukunft. Versicherung 4.0 bietet reichlich Entwicklungspotenzial.
Großes Thema bei der Hannover Messe: Hochvernetzte Industrieanlagen erlauben höchste Effizienz in der Produktion. Tatsächlich braucht es aber auch neue Sicherheitslösungen angesichts neuer Risiken und Angriffe aus dem Cyberraum gerade im Internet of Everything. Im vergangenen Jahr prognostizierte der GDV einen Anstieg der mobilen Verbindungen zwischen Maschinen (M2M) von 540 Prozent auf 3,2 Mrd. im Jahr 2020.
"Ausschlüsse und Limitierungen sind aus Sicht des Rückversicherers nur für wenige Szenarien mit unbeherrschbaren Kumulrisiken oder noch nicht modellierbaren Folgen erforderlich", erklären Jo Müller und Carsten Topsch von der Munich Re gegenüber der Versicherungswirtschaft. Sie sind überzeugt: "Cyberrisiken können sich zu einem der wichtigsten Wachstumsfelder für die Versicherungswirtschaft entwickeln."
Im industriellen Internet der Dinge geht es um die Industrial and Embedded Security: denn wenn Maschinen untereinander kommunizieren, gegebenenfalls Produktdetails und unternehmenskritische Daten austauschen spielt der Produkt- und Markenschutz eine evidente Rolle - ein prädestiniertes Betätigungsfeld der Versicherer zur Gewährleistung der sicheren Produktion globaler Smart Factories.
Wenn Androiden und Roboter Einzug halten in die Produktion, steigen auch Beitragsvolumen und Leistungen von Versicherungen. Denn jeder Roboter stellt zunächst einen Wert dar, der in der Substanz gefährdet ist. Hier deckt die klassische Maschinenversicherung die Schäden ab. Wie bei klassischen Fertigungen muss auch die Feuer- und Feuerbetriebsunterbrechung ergänzend versichert werden. Auch Roboter machen Fehler oder werden zu fehlerhafter Produktion programmiert. Hier greift laut GDV-Special zur Roboter-Versicherung die Produkthaftpflicht, die Schadensersatz auch für entgangene Gewinne des Kunden bietet.

Risiko: Mensch als schwächstes Glied von Produktionsketten

“Die Grenzen zwischen Mensch und Roboter werden immer weiter verschmelzen”, sagt Roland Behrens vom Fraunhofer Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und –automatisierung IFF. Er ist sich sicher: "Die Zusammenarbeit von Menschen und Robotern wird in zehn Jahren so selbstverständlich sein, wie die Benutzung von Handwerkzeugen wie z.B. einer Bohrmaschine." Auch hier gibt es aktuell zahlreiche offene Sicherheitsfragen, die vor allem den Schutz des Menschen betreffen, des schwächeren Gliedes in derartigen Produktionsketten.
Dass „smarte“ Produkte für alle Anwender und auch für die Haftpflichtversicherer große Verbesserungen in Bereichen wie Betriebs-, Arbeits- und Fahrzeugsicherheit, medizinischer Versorgung und Diebstahlvorbeugung darstellen und nicht nur einen Gewinn an Komfort für den Anwender bieten, ist für Lutz Torbohm, von AIG Europe unbestreitbar. „Diese Revolution aktiv zu begleiten und mit den Möglichkeiten einer Versicherungsgesellschaft zu unterstützen, bietet für alle Beteiligte die Chance, in Zukunft von einer ,Win-win‘-Situation zu profitieren.“
Indes: Die Begriffe "Smart Insurance" oder "Versicherung 4.0" hätten bis dato aber kaum Verbreitung gefunden - und das, obwohl in vier Jahren bis zu 30 Billionen Geräte im Alltag unter dem Stichwort "smart" miteinander kommunizierten. (vwh/ku)
Bildquelle: Fotolia
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