Schlaglicht

Streitfall Bürgerversicherung: Pekarek vs. Kleinlein

Von Rafael KurzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Die aktuellen Beitragsanpassungen sind vermutlich erst der Anfang einer schmerzreichen Zeit für die PKV-Versicherten", prognostiziert Axel Kleinlein, Chef des Bundes des Versicherten, als Befürworter einer Bürgerversicherung. Demgegenüber positioniert sich Wiltrud Pekarek von der Halleschen Kranken. "Die Einführung einer Einheitskasse – und nichts anderes wäre eine Bürgerversicherung – könnte die qualitativ hochwertige medizinische Versorgung unserer Gesellschaft gefährden."
Wiltrud Pekarek ist überzeugt davon, dass die soziale Marktwirtschaft von Alternativen und vom Wettbewerb lebt. "Nur in der Vielfalt entwickeln sich Systeme zum Vorteil der Beteiligten." Denn schon heute seien es doch die privaten Krankenversicherungsunternehmen, welche innovative medizinische Entwicklungen in den deutschen Gesundheitsmarkt holen. "Viele kostspielige Diagnostik- und Behandlungsmethoden hätten sonst keinen Eingang in unsere Arztpraxen gefunden. Nur aufgrund des funktionierenden Wettbewerbs zwischen GKV und PKV diese heute allen Patienten zur Verfügung."
Den Rückgang im Neugeschäft bei der Vollversicherung führt das Vorstandsmitglied der Halleschen Kranken darauf zurück, dass viele Kleinselbstständige wieder in Angestelltenverhältnisse wechselten und deshalb zurück in die Pflichtversicherung der gesetzlichen Kassen wechseln mussten.
"Daraus zu schließen, die PKV sei nicht mehr attraktiv und stehe vor dem Aus, geht völlig an den Tatsachen vorbei", erklärt Pekarek gegenüber VWheute.
"Die Verbraucher haben aber ein Recht darauf, dass man die Systemfrage endlich klärt", hakt hier Axel Kleinlein, Chef des Bundes des Versicherten zur aktuellen Situation in der PKV ein. Er konstatiert eine "Sprachlosigkeit der Befürworter der Bürgerversicherung." Jedes kapitalgedeckte System müsse unweigerlich ins Schlingern kommen, wenn es keine Zinsen mehr gibt. "Umso verblüffender, dass die Befürworter einer Bürgerversicherung die vermeintliche Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt jetzt nicht in den Vordergrund stellen." Er kritisiert hier den Unwillen der Regierung, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Mit der Diskussion um die Bürgerversicherung geht es für ihn um "eine nachhaltige Sicherung der Gesundheitsvorsorge und nebenbei geht es auch um das Geld der Verbraucher."
Heute bei der BdV-Wissenschaftstagung (PDF) will er die Diskussion weiterführen mit Wiltrud Pekarek, Stefan Etgeton von der Bertelsmann Stiftung, mit Michael Hennrich, der für die CDU im Gesundheitsausschuss ist sowie mit Kathrin Vogler (Linke) und mit Roland Weber von der Deutschen Aktuarvereinigung. (ku)
Bürgerversicherung · BdV
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