Schlaglicht

"Rückwirkende Eingriffe sind Gift für Investoren"

Von Rafael KurzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Es geht um 12.900 Kilometer Autobahn und 39.000 Kilometer Fernstraße sowie Schienen und Wasserstraßen. Knapp sechs Mrd. Euro sollen jährlich bis 2030 in den Ausbau dieser Infrastruktur gehen. Pläne der Bundesregierung sehen vor, dass der Großteil, nämlich mehr als 180 Mrd., in den kommenden 14 Jahren dem Erhalt des Netzes zukommen. Über eine Bundesgesellschaft können private wie institutionelle Investoren an den Projekten beteiligt werden. Versicherer sehen Chancen und Risiken.
Vorteile liegen für Meag-Geschäftsführer Holger Kerzel auf der Hand: "Versicherungen können ihre Risiken in der Kapitalanlage noch breiter streuen und kaufen leicht höhere Erträge ein, indem sie auf Liquidität verzichten", sagt er auf Anfrage von VWheute.
Das Modell der Öffentlich-Privaten Partnerschaft bietet sich hier an. Allerdings sind Investments in Infrastruktur mit Bedacht zu wählen. "Reine Verfügbarkeitsmodelle, bei denen der Investor nur verpflichtet ist, die finanzierte Infrastruktur bereitzustellen, sind weniger riskant als sogenannte Auslastungsmodelle, bei denen der Investor weniger verdient, wenn seine Infrastruktur weniger als erwartet genutzt wird", sagt Gerd Weidenfeld, Leiter Corporate Finance bei der Gothaer Asset Management. Als klassisches Beispiel führt er Mautstraßen an, die keiner benutzt. "Darüber hinaus ist noch relevant, ob der Investor Baurisiken übernimmt und wie schwerwiegend diese sind.
Kerzel, der die Geschäfte bei der Meag, dem Vermögensverwalter der Munich Re, verantwortet, sieht in politischen Risiken weit die gefährlichere Herausforderungen: "Wenn es in Staaten zu einer Erosion von Rechtssicherheit und Vertrauensschutz kommt, und versucht wird, nachträglich und rückwirkend in die Eigentümerposition von Investoren einzugreifen, aus welchen wohlmeinenden Motiven auch immer, dann ist für Investoren eine Grenze überschritten. Rückwirkende Eingriffe sind Gift für Investoren."
Beide Anlagenexperten sind sich aber einig, dass die aktuellen regulatorischen Erleichterungen zu begrüßen sind. Unternehmen müssen ihre Investitionen in Infrastrukturprojekte statt zu 49 Prozent nur noch zu 30 Prozent mit Kapital unterlegen. Weidenfeld schränkt ein, dass die Gothaer Asset Manager hier kaum aktiv waren in der Vergangenheit, nicht wegen der Eigenmittelbelastung, sondern "aufgrund von damit einhergehenden Konsolidierungsvorschriften. Der Einfluss von – in der Regel hoch fremdfinanzierten – Infrastrukturinvestments auf eine Versicherungsbilanz ist nicht schön."
Kerzel kritisiert hier "die mangelnde Bereitschaft der Politik, Investitionsmodelle unter Beteiligung von privaten Investitionen glaubwürdig umzusetzen." Dies sei derzeit der größte Hemmschuh privater Investitionen in Infrastruktur. (vwh/mst/ku)
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Die kommende Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft beschäftigt sich eingehend mit Investments in Infrastruktur und mit weiteren zentralen Aussagen von Meag-Geschäftsführer Holger Kerzel , Gerd Weidenfeld, Leiter Corporate Finance bei der Gothaer Asset Management sowie von Michael Leinwand, Chief Investment Officer der Zurich Gruppe in Deutschland.
Bildquelle: Gabi Schoenemann/ pixelio
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