Schlaglicht

Allianz ruft bei der Fahrzeug-Automatisierung nach mehr Regulierung

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Datenhoheit sieht die Allianz beim Kunden, nicht beim Autobauer. Diese Frage der Fairness und Transparenz ist für Manfred Knof, Chef der Allianz Deutschland, entscheidend, wenn es um den Erfolg der Telematiktarife geht. Der 4. Allianz Autotag im Allianz Zentrum für Technik (AZT) in Ismaning um produktseitige Beiträge zum Thema, drehte sich aber auch konkrete Forderungen zum regulatorischen Umfeld.
Neben der "Opel Autoversicherung Plus" (siehe VERTRIEB) stellte die Allianz bei dieser Veranstaltung unter dem Motto „Das vernetzte Auto“ ihren neuen Telematik-Kfz-Tarif „Bonus Drive“ vor. Der richtet sich an junge Kunden bis einschließlich 28 Jahre, die sich selbst und dem Versicherer über eine App den Einblick in ihr persönliches Fahrverhalten – beispielsweise hinsichtlich des Beschleunigungs- und Bremsverhaltens, der Geschwindigkeit und den Kurvenfahren – und die Aufzeichnung der so gewonnen Daten gestatten. Je nach Auswertungsergebnis können sie sich so nach Ablauf eines Versicherungsjahres eine Prämienrückerstattung bis zu 30 Prozent – und im ersten Jahr sogar bis zu 40 Prozent – verdienen. Aus Sicht von Frank Sommerfeld, Vorstand der Allianz-Versicherungs-AG, bringt sein Haus damit „die Kfz-Versicherung in das digitale Zeitalter“. Spaß mache die App obendrein. Zumal, wie er versicherte, es keinen Malus gibt, wenn das Auswertungsergebnis nicht so recht den Erwartungen.
Mit diesen Innovationen sowie dem Hinweis auf das neue Allianz-Produkt „Schutzbrief Notruf“ zum Preis von 30 Euro, einer Kombination aus einem unter Leitung des GDV entwickelten automatischen Unfall-Meldesystem und einem Schutzbrief, signalisierte der Brancheprimus der der deutschen Assekuranz offensichtlich, dass er die hierzulande nur sehr schleppend vorankommende Telematik und die Vernetzung der Autos jetzt im Rahmen seiner Möglichkeiten nachdrücklich befördern will. Ebenso deutlich machte Manfred Knof, der Vorstandsvorsitzende der Allianz Deutschland AG, aber zugleich, welche – nicht zuletzt gesetzgeberischen – Rahmenbedingungen die Versicherer in diesem Zusammenhang einfordern.
Zuvörderst nannte er dabei das weiterhin uneingeschränkte Recht der Halter und Fahrer eines Fahrzeuges, jederzeit selbst zu entscheiden, „wem er seine Daten zu welchem Zweck und zu welchen Bedingungen zur Verfügung stellen möchte“. Für Knof ist dies einerseits eine Frage der Fairness und der Transparenz im Verhältnis zwischen den involvierten Autoherstellern, den IT- und Telekommunikationsdienstleistern sowie den Versicherern und ihren Kunden, bei denen solche Daten gesammelt werden. Andererseits stelle dies jedoch ebenso eine unabdingbare Voraussetzung für einen fairen Wettbewerb mit Blick auf die Anbieter solcher neuen Kundenservices dar.

Virtueller Datenmarktplatz für größere Kollektive

Deshalb sei es allein mit der Beachtung des Kundenwunsches auch nicht getan. Vielmehr bedürfe es „regulatorischer Eingriffe“, um zu verhindern, dass Marktteilnehmer beispielsweise durch technische Schnittstellen einen diskriminierungsfreien Marktzugang für Wettbewerber blockieren. Langfristig sei eine Standardisierung beim Datenzugang und ein „virtueller Datenmarktplatz“ wünschenswert.
Notwendig sei aus versicherungstechnischer Sicht weiterhin, dass im Falles eines Unfalls mit einem hochautomatisierten Fahrzeug für Versicherer der freie und direkte Zugang zu den im Auto erfassten Daten möglich ist, um zu klären, ob der Unfall durch einen Fahr- oder einen Systemfehler verursacht wurde. Im Gegenzug versprach Knof, dass die Versicherer ihre Erkenntnisse über Unfallursachen den Autoherstellern zur Verfügung stellen würden, um denen so beispielsweise entsprechende technologogische Verbesserungsmaßnahmen zu erleichtern.
Kein Reformbedarf besteht nach Einschätzung von Knof dagegen selbst bei immer mehr Automatisierung in den Fahrzeugen beim bestehenden Haftungssystem hierzulande. Durch die verschuldensunabhängige Haftung des Halters und der Kfz-Pflichtversicherung sei gewährleistet, dass ein Verkehrsopfer vom Versicherer unabhängig davon entschädigt werde, ob ein Unfall durch einen Fehler des Fahrer oder einen vom Hersteller des Fahrzeuges zu verantwortenden Systemfehler verursacht wurde. Es sei dann Sache des Versicherers, diese Frage zu klären. Diese „ideale rechtliche Basis für eine stufenweise Fahrzeugautomatisierung“ in Deutschland sollte daher allen Ländern in der Europäischen Union als Lösung vorgeschlagen werden, legte Knof der Politik nahe. (rem)
Bildquelle: rem
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