Schlaglicht

Erdland: "Schönheitswettbewerb der Rentenideen stoppen"

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"Auf dem Weg zur Erneuerung war 2015 allenfalls eine Zwischenetappe", bilanziert Alexander Erdland das vergangene Geschäftsjahr der Versicherer. Auf der Jahrespressekonferenz in Berlin stellt der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) drei zentrale Forderungen an die Bundesregierung, an Europa und an die Branche selbst.  
"Wir müssen auf Markteintritte insbesondere von Aggregatoren, die Service-Innovationen an der Kundenschnittstelle bringen, achten", berichtet Erdland. Noch allerdings würden die neuen Mitspieler das traditionelle Versicherungsgeschäft scheuen. "Vor allem für unerfahrene Player ist der Eintritt in das Versicherungsgeschäft mit vielen Gefahren behaftet." Dass sich vermeintlich neue Konkurrenten zu Komplementären entwickeln, die Versicherern helfen, Wertschöpfungsketten flexibel zu machen oder um sinnvolle Services zu erweitern, sei ebenso realistisch. Der GDV-Präsident nimmt die Versicherer in die Pflicht, Anstrengungen zur Digitalisierung sowie Kundenzufriedenheit zu stärken. Produkte müssten einfacher und die "Pain Points" der Kunden gelindert werden.
Im Zuge einer neuen Effizienz drücken die Versicherer im Vertrieb auf die Kostenbremse und arbeiten an einer gezielteren Vernetzung von Kundenkontaktpunkten. "Der Verbraucher macht mittlerweile Einiges selbst, sodass auch die Unternehmen entlastet werden", erklärt Erdland. Auf qualifizierte Beratung dagegen setzt er bei komplexeren Themen, wie z.B. in der Lebensversicherung. "Das führt zu einer Kostenreduktion, die notwendig ist." Die Anzahl der Vermittler wird nach GDV-Prognosen auch künftig sinken.
Die finanzpolitischen Entscheider auf europäischer Ebene indes ruft Erdland zu mehr Disziplin auf. Der Verbandschef übt harte Kritik am Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank, das eine Austrocknung der Märkte verursache. "Die EZB überschreitet ihr Mandat. Sie greift in zutiefst politische Prozesse ein und bewegt sich weg von Sparern hin zu Schuldnern." Europa mangele es aktuell an der Fähigkeit, die Verbindlichkeit von Regeln und Absprachen einzuhalten.
Die Bundesregierung fordert Erdland zu einem ruhigen, breiten und systematischen Dialog zur Zukunft der Altersvorsorge auf. Die Leistungsfähigkeit aller drei Säulen solle überprüft werden, ohne das Modell grundsätzlich in Frage zu stellen. "Derzeit erleben wir geradezu einen Schönheitswettbewerb der spektakulärsten Rentenideen." (mst)
Bild: GDV-Präsident Alexander Erdland (Quelle: mst)
GDV · Altersvorsorge · EZB · Digitalisierung
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