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"Deutsche LV-Sparer zahlen die Zeche für EZB-Politik"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ab 2018 soll der Garantiezins für Lebensversicherungen bei nur noch einem Prozent liegen. Die entsprechende Empfehlung der Deutschen Aktuarvereinigung kursierte jüngst in den Medien. Das nimmt auch die Neue Assekuranz Gewerkschaft (NAG) zum Anlass für ihre Generalkritik an der Europäischen Zentralbank. "Der deutsche LV-Sparer zahlt die Zeche dafür, dass für Länder wie Italien der Zusammenhang zwischen solider Staatsfinanzierung und erforderlicher Verzinsung ihrer Staatsanleihen aufgehoben ist", bemängelt NAG-Vorstand Joachim Liesenfeld.
"Die eklatant niedrigen Zinsen auf Staatsanleihen sind eine unmittelbare Folge der unseligen Politik von EZB-Präsident Mario Draghi, die Kapitalmärkte mit überbordender Liquidität zu versorgen und in einem Billionen-Euro-Umfang Staatsanleihen aufzukaufen. Da kann die DAV letztlich kaum noch zu anderen Empfehlungen kommen", sagt Joachim Liesenfeld, Vorstand der NAG und dort zuständig für die Deutsche Lebensversicherung.
Viele Millionen Menschen in Deutschland sparen mit Lebens- und Rentenversicherungsprodukten für ihre Altersversorgung. Doch ihre Ersparnisse verlieren zunehmend an Wert, kritisiert die Spezialgewerkschaft für die Interessen der Beschäftigten im privaten Versicherungsgewerbe. Durch die EZB-Politik würden Zinsen dauerhaft auch dort künstlich niedrig gehalten, wo eine risikoadäquate Bewertung durch die Kapitalmärkte einen höheren Zins erfordere, glaubt Liesenfeld. Auf Dauer werde das der deutsche Lebensversicherungsmarkt nicht verkraften können.
Große Sorgen bereiten ihm zudem die Eigenkapitalanforderungen in Zusammenhang mit der Einführung der Solvabilitätsvorschriften (Solvency II). Bei derartigen Niedrigzinsen steige der Eigenkapitalbedarf der Lebensversicherer erheblich. Nicht zuletzt sei die vorgeschriebene Bildung der Zinszusatzreserve zur dauerhaften Sicherstellung der Erfüllung der Versichertenansprüche bei extrem niedrigen Zinsen mit erheblichen Transaktionsaufwendungen verbunden.
Die NAG rechnet mittelfristig mit einer Konsolidierung im deutschen LV-Markt. Dieser dürfte mit einem weiteren Rückgang des Niveaus der privaten Altersversorgung in Deutschland verbunden sein. (vwh/dg)
Bild: Joachim Liesenfeld, Vorstand der Neue Assekuranz Gewerkschaft (NAG) und dort zuständig für die Deutsche Lebensversicherung (Quelle: NAG)
Lebensversicherung · EZB · Niedrigzinsen · Mario Draghi · Zinszusatzreseve
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