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"Größten Strafe aller Zeiten wegen Umweltvergehen"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Kommentar der US-Justizministerin Loretta Lynch zu dem Urteil eines Gerichts in New Orleans ist markant: "Größte Strafe aller Zeiten wegen Umweltvergehen". Verhandelt worden war die Zahlung des britischen Energiekonzern BP in Folge der Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko. Auf rund 20,8 Mrd. US-Dollar (18,5 Mrd. Euro) hat man sich schließlich geeinigt. Einschließlich der Säuberungsarbeiten und anderen mit dem Vorfall verbundenen Entschädigungen beziffert BP die eigenen Kosten auf über 53 Mrd. Dollar. Rückversicherer sind nicht betroffen.
Der jahrelange Streit über die Folgen des Unglücks vom 20. April 2010 wurde beigelegt. Elf Arbeiter waren dabei ums Leben gekommen, Hunderte Millionen Liter Erdöl gelangten ins Meer. 87 Tage dauerte es, bis BP das Leck schließen konnte.
Über eine Zeitspanne von 16 Jahren soll BP die Entschädigung von rund 20 Mrd. US-Dollar abzahlen. Es handelt sich um den größten Vergleich in einer Umweltangelegenheit sowie den größten zivilen Zahlungsausgleich mit einem einzigen Rechtsträger. Das Leck in dem Macando-Ölfeld ist damit die teuerste von Menschen verursachte Katas­trophe der Geschichte, mit weitem Abstand. Der Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 hatte die Versicherer insgesamt 25 Mrd. Dollar gekostet. Die Verschmutzung des Golfs von Mexiko keinen Cent. BP hat sich dagegen nicht versichert.
Die Industrie sieht die Versicherer schon lange nicht mehr als unverzichtbaren Partner an, merkte XL Catlin-Chef Mike McGavick in Monte Carlo an. Warum auch? Knapp 400 Mrd. Dollar Umsatz macht der britische Ölkonzern, das ist doppelt so viel, wie die 40 größten Rückversicherer der Welt an Beiträgen einnehmen, zusammen. Ein Schaden in dieser Größenordnung würde ein Zehntel des Eigenkapitals aller Rückversicherer aufzehren, er würde manche Versicherer in ihrer Existenz gefährden und zu einem marktbeherrschenden Ereignis werden. Ein so großes Risiko aus einem einzigen Ereignis können die Rückversicherer nicht tragen. Darum werden sie bei vielen Risiko-Themen auch gar nicht mehr gefragt.
Fraglich ist indes, ob BP weiterhin solche Zahlen abliefern kann. Wie sämtliche große Ölkonzerne kämpfen auch die Briten mit dem Verfall des Rohölpreises. Anfang des Monats verkündete der Mutterkonzern, dass die deutsche BP jeden sechsten Arbeitsplatz streichen wird, insgesamt fallen gut 800 der 5000 Stellen weg. Betroffen sind vor allem die Raffinerien in Gelsenkirchen und Lingen sowie die Verwaltung in Bochum.
Begründet wurde diese Entscheidung mit schlechten Zukunftserwartungen. Der Benzinverbrauch werde durch immer effizientere Automotoren zurückgehen, ebenso verändere sich das Fahrverhalten der Autofahrer, sagte Michael Schmidt, der Vorstandschef der BP Europa SE. (vwh/dg)
Bild: Außenansicht des BP/Aral-Gebäudes in Bochum (Quelle: BP Europa SE)
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