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Fusion bei Sparkassenversicherungen?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Gerüchte über eine angeblich bevorstehende Großfusion innerhalb der Sparkassen Finanzgruppe sorgen für Unruhe auf den Büroetagen der SV Sparkassenversicherung (Stuttgart) und der Provinzial Gruppe Nordwest (Münster), zu der u.a. die Westfälische Provinzial Versicherung, die Provinzial Nord Brandkasse, die Provinzial Nordwest Lebensversicherung und die Hamburger Feuerkasse gehören. In einem weiteren Schritt soll auch die Provinzial Rheinland (Düsseldorf) aufgenommen werden. Bereits im nächsten Jahr könnte eine gemeinsame Finanzholding an den Start gehen.
Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe (40-prozentiger Anteilsinhaber), der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (40 Prozent) und der Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein (18 Prozent), haben in einer ersten Stellungnahme Fusionsplänen allerdings widersprochen. Dort hieß es: "Ist für uns zur Zeit kein Thema". Gegenüber dem Westdeutschen Rundfunk erklärte die Provinzial lediglich, dass man zu den Spekulationen nichts sagen könne. Sollte es irgendwann zu ernsthaften Gesprächen kommen, agiere der Konzern aus einer sehr starken Position heraus. Aus Stuttgart verlautete lapidar: "Kein Kommentar". Gerüchte über Fusionen begleiten die Provinzial-Gruppe schon seit mehreren Jahren. Zuletzt hatte es seitens der Eigentümer angeblich Verkaufsverhandlungen mit der Allianz gegeben, die aber aufgrund des Widerstands aus der Politik geplatzt sind.
Die Betriebsräte der Provinzial Nordwest lehnen eine Fusion ohnehin kategorisch ab. Dem Betriebsratsvorsitzenden, Albert Roer, fehlt dafür jegliches Verständnis. Gegenüber dem WDR erklärte er: "Ich bin sauer, sowas darf man nicht betreiben. Aber wir haben halt in der Vergangenheit ähnliche schlechte Erfahrungen gemacht. Erst ist alles abgestritten worden, dann hat sich alles bestätigt. Eine Fusion wäre das Allerletzte, was wir gebrauchen können. Es ist einfach schlicht ein Märchen, dass die Größe eines Unternehmens dazu führt, kostengünstig zu arbeiten". Die Betriebsräte fordern ein festes Bekenntnis der Eigentümer zum Status Quo.
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) zeigte sich in einer Stellungnahme überrascht zu den neuerlichen Fusionsgerüchten. "Wir nehmen diese Diskussionen, aus den Erfahrungen in der Vergangenheit, sehr ernst. Erkennbar ist hier eine identische Handschrift wie bei dem gescheiterten Verkaufsversuch 2012. Es wird etwas angeschoben, in die Luft geworfen, und dann will es erst niemand gewesen sein. Hinterher erfahren wir dann, dass die bekannten Strippenzieher doch am Werke waren", kritisiert Frank Fassin, Fachbereichsleiter für den Finanzdienstleistungsbereich der ver.di in Nordrhein-Westfalen.
Frank Schischefsky, Fachbereichsleiter für den Finanzdienstleistungsbereich im ver.di Landesbezirk Nord, ergänzte: "Wir erwarten unverzüglich von den Sparkassen in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, ein klares Bekenntnis zu einer eigenständigen Provinzial NordWest und eine Absage an etwaige Pläne, einen solchen Prozess zu beginnen. Alle anderen Diskussionen und Positionen schaden der Provinzial und gefährden Kundenbeziehungen die Regionalität und vernichten Arbeitsplätze".
Ralf Stegner, SPD-Fraktionsvorsitzender im Landtag von Schleswig-Holstein, sieht nach eigener Aussage zudem "überhaupt keinen Grund, den Provinzial-Konzern ständig ins Gerede zu bringen und Spekulationen anzuheizen, die zu Lasten der Beschäftigten und des Standortes Kiel gehen." Zudem mache die Provinzial "gute Geschäfte". "Sie ist ein erfolgreicher und wichtiger öffentlicher Versicherer, der seinen im Vertrag zwischen dem Land Schleswig-Holstein und dem Sparkassen- und Giroverband definierten öffentlichen Auftrag erfüllt. Das soll auch so bleiben! Deshalb lehnen wir jeglichem Versuch einer weiteren Privatisierung oder Infragestellung des Standortes Kiel entschieden ab", betonte Stegner.
Die Provinzial Gruppe Nordwest – nach eigenen Angaben zweitgrößtes öffentliches Versicherungsunternehmen in Deutschland mit 3.033 Mitarbeitern in den Innendiensten - hat in 2014 insgesamt 3,9 Mrd. Euro an Beitragseinnahmen erwirtschaftet, die SV Sparkassenversicherung verbuchte im gleichen Zeitraum 3,2 Mrd. Euro Beiträge und beschäftigt 2.933 innendienst-Mitarbeiter. Die Provinzial Rheinland mit 2.455 Innendienst-Mitarbeitern verfügt über 2,6 Mrd. Euro Beitragseinnahmen. (vwh/td/wo)
Sparkassenversicherung
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