Märkte & Vertrieb

Zahlungsmoral in Großbritannien sinkt

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Den europäischen Unternehmen macht derzeit nicht nur der mögliche EU-Austritt Großbritanniens ("Brexit") zu schaffen. Auch die sinkende Zahlungsmoral macht den Exporteuren zu schaffen. Allein im vierten Quartal 2015 sind laut einer Studie von Euler Hermes die Zahlungsverzögerungen um zwölf Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Demnach bezahlt einer von sechs Kunden zu spät für bestellte Waren oder Dienstleistungen.
Die Zahlungsverzögerungen ziehen sich dabei durch fast alle wichtigen Branchen in Großbritannien, konstatiert Euler Hermes weiter. Demnach habe sich die Zahlungsmoral im Gesamtjahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent verschlechtert. 2014 hatte sich diese im Vergleich zum Vorjahr noch um elf Prozent verbessert.
Insgesamt hat der Kreditversicherer im vergangenen Jahr in 14 von 17 wichtigen Sektoren mehr Zahlungsverzögerungen verzeichnet. Besonders hoch sei der Anstieg im Metall- und Bausektor mit 28 bzw. 26 Prozent. Lediglich in der Automobil- und Elektronikbranche habe sich die Zahlungsmoral im vergangenen Jahr verbessert. Hier sind die Zahlungsverzögerungen um zwölf bzw. 15 Prozent zruückgegangen.
Einen weiteren Negativrekord verbucht die Baubranche. 31 Prozent aller gemeldeten Zahlungsvorfälle fallen auf diese Branche. Überraschend sei dies nicht, so Euler Hermes, da es bei Projekten durch Streitigkeiten häufiger zu Verzögerungen komme. Wesentliche Gründe dafür sieht der Kreditversicherer in den margenschwachen Verträgen der Unternehmen, die sie noch in der wirtschaftlichen Rezession abgeschlossen haben. Hinzu kommen höhere Kapitalkosten sowie ein zunehmender Fachkräftemangel.
"Der finanzielle Druck auf britische Unternehmen wächst, auch wenn sie weiter auf Wachstum ausgerichtet sind", sagte Ron van het Hof, Vorstandsvorsitzender von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. "Dieses Phänomen beobachten wir derzeit in vielen wichtigen deutschen Exportmärkten, allen voran in den USA als wichtigstem Handelspartner sowie in China und nun auch in Großbritannien. Das zieht einen negativen Dominoeffekt mit sich", ergänzt van het Hof.
Weltweit erwartet Euler Hermes "2016 erstmals wieder eine Trendwende und steigende Insolvenzen um ein Prozent. In Großbritannien steigen sie mit fünf Prozent sogar stärker als der weltweite Durchschnitt. Zusammen mit einem möglichen Brexit, über den die britische Bevölkerung im Juni abstimmen wird, sind Geschäfte mit britischen Firmen derzeit zum Teil mit erheblichen Unsicherheiten verbunden", ergänzt van het Hof. (vwh/td)
Bildquelle: Marcel Klinger / pixelio.de
Großbritannien · Euler Hermes · Kreditversicherer
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