Schlaglicht

Konjunkturboom mit Schattenseiten

Von Tobias DanielTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Konjunktur boomt - doch die Stimmung ist gedrückt. "Die Sorgen der deutschen Wirtschaft werden größer, insbesondere in der Industrie", konstatierte unlängst der scheidende Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Eine schwächelnde Weltkonjunktur oder die Turbulenzen an den Finanzmärkten haben den Unternehmen zu schaffen gemacht. Der neue Reigen an Konjunkturdaten wird daher besonders aufmerksam beäugt.
Den Auftakt des Reigens macht heute die Konjunkturerwartung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für die Eurozone und Deutschland. Dies war im Februar auf den bis dato tiefsten Stand seit Oktober 2014 gesunken. "Die sich abzeichnende Abschwächung der Weltkonjunktur und die ungewissen Folgen des Ölpreisverfalls" hatten nach Aussage von Sascha Steffen, Leiter des Forschungsbereichs Internationale Finanzmärkte am ZEW, die Konjunkturerwartungen der Mannheimer Wirtschaftsforscher maßgeblich gedrückt.
Der deutsche Fiskus scheint von den Konjunktureintrübungen hingegen bislang noch nicht betroffen zu sein. So hat der deutsche Staat im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Steuern eingenommen. Insgesamt flossen rund 48 Mrd. Euro in die Kassen des Bundes, der Länder und der Kommunen. Dies sind nach Angaben des Bundesfinanzministeriums etwa 5,0 Prozent mehr als im Vorjahresmonat (siehe SCHLAGZEILEN).
Allerdings scheinen bislang nur wenige Regionen von der guten Konjunktur zu profiteren. Laut einer gestern veröffentlichten Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) kommt das derzeitige Wachstum in vielen Gegenden nicht an. Demnach befinden sich einzelne Regionen gar "in einem Teufelskreis aus Verschuldung, Arbeitslosigkeit und Abwanderung". Die Folge: eine zunehmende gesellschaftliche Kluft zwischen Arm und Reich. "Die deutsche Marktwirtschaft zeigt ihr wahres Gesicht in einer stark zunehmenden Ungleichheit", konstatiert der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, in seinem neuen Buch "Verteilungskampf".
Und dennoch: Viele Unternehmen in Deutschland haben "sich mit Innovationen und hoher Spezialisierung eine starke Wettbewerbsposition erarbeitet", stellt der künftige Ifo-Präsident Clemens Fuest im Interview mit dem Businessmagazin Versicherungswirtschaft fest. Doch sei es "keineswegs gewährleistet, dass diese starke Position erhalten bleibt". Denn: "Die deutsche Wirtschaft muss sich ständig anpassen, um ihre Position zu halten", betont Fuest (siehe MÄRKTE). (td)
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