Köpfe & Positionen

"Digitale Unternehmen dominieren in zehn Jahren den Markt"

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Immer mehr Fintech-Unternehmen mischen auch den Versicherungsmarkt auf und entwickeln sich zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz. Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz (ITA), rät den klassischen Versicherern zur Bestandsaufnahme. Für Versicherungsvorstände sei dies jedoch kein Grund nervös zu werden. Vielmehr sei es höchste Zeit, sich "neu auf die Anforderungen der heutigen Zeit auszurichten".
VWheute: Machen Fintechs Versicherungsvorstände zurecht nervös?
Mark Ortmann: Es gibt keinen Grund, nervös zu werden. Vielmehr ist es höchste Zeit, Versicherungsunternehmen neu auf die Anforderungen der heutigen Zeit auszurichten. Dazu muss man sich sehr genau mit den Vorstellungen der Kunden auseinandersetzen, die ihre Geschäfte heute ganz überwiegend mobil abwickeln. Dann sollte man eine Bestandsaufnahme machen und das eigene Geschäftsmodell zukunftssicher machen. Einige Versicherer sind mitten drin in diesem Prozess, andere denken immer noch, dass sich Versicherungen bis in alle Ewigkeit über 230.000 Vertreter verkaufen lassen. Wer so denkt, mag die Agonie noch ein paar Jahre überleben. Aber um solche Unternehmen mache ich mir Sorgen.
VWheute: Fintechs schießen wie Pilze aus der Erde, heißt es, sind da auch faule darunter?
Mark Ortmann: Die Start-up Branche hat den technischen Rückstand der Versicherungswelt entlarvt und das enorme Optimierungspotenzial erkannt. Wenn man bedenkt, wie veraltet die Prozesse sind, ist es doch kein Wunder, dass sich jetzt viele Gründer auf Versicherungslösungen stürzen. Die Ideen sind zunächst mal gut. Welche Start-ups sich am Ende durchsetzen werden, wird man sehen.
VWheute: Kopieren Fintechs letztlich nicht bloß das Geschäftsmodell erfolgreicher Direktversicherer mit Internet und Callcenter?
Mark Ortmann: Das sind Versicherer und die haben ein anderes Geschäftsmodell als die InsurTech Start-ups heute. Es geht auch nicht nur darum, eine Internetseite und ein Callcenter zu haben. InsurTechs wollen das gesamte Kundenerlebnis auf eine ganz andere Ebene hieven. Dazu braucht man komplett neue Prozesse, neueste Technik und eine ganz andere frische Ansprache. Dies gelingt nur mit Menschen, die dieselbe Sprache sprechen wie ihre Kunden. Mit den bestehenden Unternehmenskulturen und dem vorherrschenden Mindsets lässt sich dieser Wandel kaum bewerkstelligen.
VWheute: Woher kommt das Investitionskapital der vielen Fintechs?
Mark Ortmann: Das ist sehr unterschiedlich. Wenn Gründer eine überzeugende Idee haben, erhalten sie Eigenkapital von sogenannten Venture Capital Firmen. Diese sind auf Finanzierungen in sehr frühen Unternehmensphasen spezialisiert. Wir bei FinLeap sind Company Builder und investieren zunächst selbst in unsere Ideen und Unternehmen. Später holen unsere Unternehmen aber auch externe Investoren an Bord.
Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.
Bild: Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz (ITA) (Quelle: ITA)
Mark Ortmann · Fintechs
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