Schlaglicht

Diese Woche: The Moment of Truth

Von Tobias DanielTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Beginn der vorösterlichen Besinnungs- und Bußtage scheint zumindest vordergründig auch mit einer allgemeinen Verschnaufpause einherzugehen. Ernst wird es hingegen in dieser Woche mit dem Bundeshaushalt - flankiert von neuen Bestandsaufnahmen zur globalen Konjunkturentwicklung. Die gute Nachricht zuerst: Die Steuereinnahmen fließen wohl reichlich.
So rechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer aktuellen Einschätzung allein für 2016 mit einem Anstieg der Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden um 1,7 Prozent auf insgesamt 684,8 Mrd. Euro. Allerdings rechnen die DIW-Experten in diesem Jahr mit einem verminderten Anstieg - bedingt durch die Anhebung von Grund- und Kinderfreibetrag.
"Die Lohnsteuereinnahmen könnten allerdings noch stärker zunehmen, würden sich die Pro-Kopf-Löhne nicht vergleichsweise verhalten entwickeln", glaubt DIW-Finanzexpertin Kristina van Deuverden. Ob sich diese im Prognose im Kern bestätigt, wird der heute vorgelegte Monatsbericht des Bundesfinanzministerium belegen.
Für 2017 scheinen die Steuerprognosen des DIW zumindest weiter optimistisch zu sein. Um 4,3 Prozent sollen die Steuereinnahmen im kommenden Jahr steigen - was Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble besonders gerne hören dürfte. Denn dieser geht bislang von einem ausgeglichenen Bundeshaushalt bei einem moderaten Ausgabenanstieg von 2,2 Prozent aus. Trotz Sonderbelastungen durch die Flüchtlinge soll auch 2016 wieder eine "Schwarze Null" stehen (siehe POLITICS).
Offen ist bislang die Frage, inwieweit auch die staatlich geförderte Altersversorgung (Riester- und Rürup-Rente sowie betriebliche Altersversorgung) mehr finanzielle Anreize bekommen soll. Die aktuelle Zinsentwicklung durch die Geldpolitik der Notenbanken könnte zumindest manch Unternehmen zu schaffen machen, auch wenn die Unternehmensberater von Mercer zuletzt eine leichte Entspannung konstatierten. Ob sich dies bestätigt, wird eine Studie des Beratungsunternehmens Towers Watson zu den Folgen der Niedrigzinsen für die Pensionsverpflichtungen der Dax-Konzerne am Dienstag belegen.
Entscheidende Voraussetzung für sprudelnde Steuereinnahmen ist natürlich eine brummende Konjunktur. Nach Monaten eines regelrechten Wachstumsbooms gaben sich die führenden Ökonomen und Konjunkturforscher zuletzt wieder pessimistischer. Ob es auch weiterhin einen handfesten Grund für diesen Pessimismus geben wird, zeigt der Reigen an neuen Konjunkturdaten in dieser Woche (siehe MÄRKTE).
Aller Prognosen zum Trotz: Wirtschaftlicher Erfolg hängt auch einer guten Unternehmensstrategie ab. Ein gutes Vorbild könnte der einstige Ausnahmeboxer Muhammad Ali mit seinem Überraschungserfolg gegen den Weltschwergewichtsmeister George Foreman im legendären "Rumble in the Jungle" sein. Statt "wie ein Schmetterling zu tänzeln und wie eine Biene im entscheidenden Moment zuzustechen", überraschte er seinen Gegner mit ganz anderen Strategie, stellte Mohamed A. El-Erian, Chief Economic Advisor der Allianz, fest. Seine Empfehlung: "Widerstandskraft, Optionen und Beweglichkeit. Nehmen Sie sich Ali zum Vorbild und überdenken Sie Ihre Strategie von Zeit zu Zeit" (siehe KÖPFE). (td)
Bildquelle: Denis Junker / Fotolia
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Bei der Absicherung von Großrisiken werden die Versicherer sich in Zukunft wohl nicht mehr so leicht zusammenschließen können. Die EU-Kommission will die Gruppenfreistellungsverordnung für Versicherer ab dem 31. März 2017 nicht verlängern. "Die Notwendigkeit einer Weiterführung der Freistellungsverordnung ist fragwürdig", stellt die EU-Kommission fest.
Heute vor zehn Jahren wurde der erste Tweet in der Geschichte abgesetzt. Und dennoch: "Twitter ist in Deutschland nie so richtig angekommen", meint Kommunikationsstratege MarKo Petersohn. Für Versicherungen und Makler "eignet sich der Kanal nur in geringem Maße zum Marketing und zur Kundenkommunikation", betont der Experte im Interview mit VWheute.
Immer mehr Fintech-Unternehmen mischen auch den Versicherungsmarkt auf und entwickeln sich zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz. Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz (ITA), rät den klassischen Versicherern zur Bestandsaufnahme. Für Versicherungsvorstände sei dies jedoch kein Grund nervös zu werden, betont er im Interview mit VWheute.
Konjunktur · Bundeshaushalt
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