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Niedrigzinsen machen Garantien teurer

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Garantien in der Altersvorsorge kosten Geld, aber wie viel? Im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) haben Wissenschaftler einmal ausgerechnet, wie weit das gesunkene Zinsniveau in den vergangenen 15 Jahren die Garantiezusagen verteuert haben. Den Menschen sei dies nicht klar, weil Preisschilder fehlten, sagte Professor Olav Stotz von der Frankfurt School of Finance & Management auf der DIA-Pressekonferenz.
Der mündige Verbraucher sollte frei entscheiden können, wie viel er denn an Garantien einkaufen wolle. "Stellen Sie sich vor, ein Mercedes steht neben einem VW-Golf. Welches Auto würden Sie nehmen? Die an sich klare Entscheidung dürfte aber überdacht werden, wenn an beiden Autos ein Preisschild hängen würde", erläuterte Stotz. Für DIA-Sprecher Klaus Morgenstern ist klar, dass hier der Gesetzgeber gefragt ist, bei den in der staatlich geförderten Altersversorgung geforderte Garantien zumindest flexiblere Lösungen anzubieten.
Nach Berechnungen von Professor Michael Hauer vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung habe zwischen 2000 und 2015 der von vier auf 1,25 Prozent gesunkene Höchstrechnungszins sowie die gestiegene Lebenserwartung dazu geführt, dass für eine lebenslange Rente von 100 Euro monatlich die hierfür notwendigen Aufwendungen um 60,5 Prozent gestiegen sind. Habe im Jahr 2000 noch ein Einmalbetrag von 18.160 Euro ausgereicht, so seien 2015 bereits 29.152 Euro notwendig gewesen, erläuterte Hauer. Dabei schlage allein der Zinseffekt mit einer Steigerung von 41,5 Prozent zu Buche.
Beide Professoren, die selbst aus Überzeugung riestern, würdigten die staatlich geförderte Altersvorsorge als "extrem wichtig für die Gesellschaft". Wer seinen Lebensstandard auch im Alter halten wolle, der müsse zusätzlich vorsorgen. Im Jahr 1957 habe die gesetzliche Rente noch 70 Prozent des Nettoeinkommens abgedeckt. Im Jahr 2040 dürfte es nur noch 40 Prozent (nach Abzug der Rentnerbeträge für Kranken- und Pflegeversicherung) sein, erklärte Hauer. Ziel müsse sein, durch zusätzliche Altersvorsorge auf 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens zu kommen. "Und man lebt länger als man glaubt", mahnte Hauer. "Die staatlich geförderte Altersvorsorge ist grundsätzlich gut."
Sie bedarf aber nach Ansicht der Wissenschaftler und des DIA der Adjustierung. Bei den in der Riester-Rente geforderten Garantien sollte es eine Öffnungsklausel geben, sodass jemand auf Garantien ganz oder zumindest teilweise verzichten kann. Für DIA-Sprecher Morgenstern ist zudem wichtig, dass bei Geringverdienern eine Riester-Rente nicht gegen die Grundsicherung verrechnet wird. Auch hier sei eine Anpassung durch den Gesetzgeber notwendig. Nach Ansicht der Professoren macht es in der anhaltenden Niedrigzinsphase Sinn, diversifiziert in Aktien zu investieren. (brs)
Bild: Michael Hauer (links) und Olaf Stotz (rechts) (Quelle: brs)
Niedrigzinsen · Deutsches Institut für Altersvorsorge · DIA · Klaus Morgenstern · Olav Stotz · Michael Hauer
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