Unternehmen & Management

Munich Re sieht sich "erneut stark"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Ergebnis des Geschäftsjahres 2015 der Munich Re war nach Einschätzung von Vorstandschef Nikolaus von Bomhard angesichts der widrigen Rahmenbedingungen "erneut stark". Die Zukunftsaussichten sieht er aufgrund der konservativen Unternehmensstrategie durchaus positiv. Wegen der EZB-Zinspolitik hat der Rückversicherer nun eine zweistellige Millionensumme Bargeld sowie Gold im eigenen Haus eingelagert.
Angesichts der andauernden Niedrigzinsen und schrumpfender Gewinnmargen in der Rückversicherung hat der Munich Re-Konzern mit einem Anstieg der gebuchten Beiträge um 3,1 Prozent auf 50,4 Mrd. Euro, des operativen Ergebnisses um 19,7 Prozent auf 4,8 Mrd. Euro und einem leicht von 3,17 auf 3,12 Mrd. Euro gesunkenen Konzernergebnis nach Einschätzung von Vorstandschef Nikolaus von Bomhard im Geschäftsjahr 2015 "erneut ein starkes Ergebnis geliefert". Die Zukunft der Gruppe sah der Vorstandschef des Konzerns bei der Bilanz-Präsentation in München dank ihrer Kapitalstärke sowie der konservativen Zeichnungspolitik und der daraus resultierenden "extremen Widerstandsfähigkeit" gesichert - obwohl das Umfeld inzwischen "so schwierig geworden ist, wie ich das noch nicht erlebt habe".
Und auch trotz der Tatsache, dass der Erfolg des Berichtsjahres in nicht unerheblichem Maße erneut purem Glück geschuldet ist, weil dazu neben einer vergleichsweise niedrigen Steuerbelastung vor allem die Schaden- und Unfall-Rückversicherung dank eines erneut überdurchschnittlichen guten günstigen Schadenverlaufs wiederum ein sehr gutes Ergebnis beisteuerte. Darauf, dass dies so bleibt, will die Munich Re aber nicht bauen, und ebenso wenig will sie mehr Risiken bei der Kapitalanlage eingehen, um so möglicherweise höhere Renditen zu erzielen, stellte von Bomhard klar. Damit müsse die Gewinnerwartung zwangsläufig sinken. Das Gewinnziel für das laufende Jahr hat die Munich Re daher auf 2,3 Mrd. bis 2,8 Mrd. Euro zurückgenommen.
Zumal, wie von Bomhard anmerkte, bei der Erstversicherungstochter Ergo erhebliche Restrukturierungskosten absehbar sind, bei der die gebuchten Beiträge 2015 vor allem durch die Probleme im Lebensversicherungsgeschäft um 1,2 Prozent auf 16,5 Mrd. Euro zurückgingen und sich der Gewinn von 169 Mio. Euro 2014 in ein Minus von 227 Mio. Euro verwandelte. Geld kosten werde außerdem die im gesamten Konzern auf die Schiene gesetzte "Innovationsinitiative". Zu dieser äußerte sich der sonst stets eher sehr zurückhaltend formulierende von Bomhard für seine Verhältnisse geradezu "euphorisch", wie er selbst anmerkte. Ungewöhnlich deutlich wurde er jedoch vor allem bei seinen harschen Äußerungen zur Politik der Europäischen Zentralbank.
Deren Chef Mario Draghi warf er faktisch Rechtsverstöße bei seinen Beschlüssen vor und der Bundesregierung Untätigkeit, weil von ihr dazu nichts zu hören sei und sie beispielsweise auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann politisch nicht mehr unterstütze. An die eigene Branche adressiert, die während der Bankenkrise zum Teil ebenfalls von den Maßnahmen der Zentralbanken profitierte, merkte er an, dass es "schon ein ziemliches armseliges Risikomanagement wäre, sich immer darauf zu verlassen, dass die Notenbanken und die Politik Banken retten" (siehe KÖPFE).
Die Munich Re jedenfalls reagiert in ihrer Kapitalanlagestrategie auf die EZB-Politik inzwischen mit ungewöhnlichen Maßnahmen, wie von Bomhard wissen ließ. Sie habe sich mittlerweile nämlich nicht Gold in den Tresor gelegt, sondern bunkere dort jetzt auch Bargeld und Gold. (rem)
Bild: Nikolaus von Bomhard, Vorstandsvorsitzender der Munich Re (Quelle: Munich Re)
Munich Re · Mario Draghi · Jens Weidmann · Nikolaus von Bomhard · Joachim Wenning
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