Politik & Regulierung

Hilfe aus dem Zigarettenanzünder

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Am 4. April 2016 startet nach dreijähriger Forschung und Erprobung das automatische Auto-Notrufsystem "Unfallmeldedienst" des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Damit können Autofahrer künftig vor allem bei schweren Auffahrunfällen Hilfe aus dem Zigarettenanzünder bekommen, wie Klaus-Jürgen Heitmann vom Lenkungsausschuss Unfallmeldedienst im GDV erklärte.
In diese Zwölf-Volt-Buchse steckt der Fahrer einen Stecker, der im Falle eines Unfalls diesen registriert sowie seine Stärke misst und die Daten an eine App weitergibt, die ebenfalls aus dem Hause GDV stammt. Natürlich habe man, erklärte Peter Slawik vom GDV-Kraftfahrtversicherungs-Fachausschuss, das nicht ganz allein bewerkstelligt, sondern in Bosch und IBM fachkundige Unterstützung gehabt. Da es aber auf dem Markt keine einfache und preiswerte Technik gab, die sich leicht in der Fläche installieren lässt und auf Akzeptanz stößt, war man gezwungen, einen "niedrigen einstelligen Millionenbetrag" zu investieren und selbst in Vorleistung zu gehen. Vertrieben werden die kleinen schwarzen Geräte über die Versicherer, die bereits eine halbe Million geordert haben. Bis zum Jahr 2020 rechnet man mit drei Millionen. Die Kosten pro Gerät dafür seien angemessen, könnten jedoch von Versicherer zu Versicherer variieren.
Wie soll der Unfallmeldedienst nun funktionieren? Der Stecker ist vertragsgebunden, funktioniert also nur im versicherten Auto. Der Nutzer steckt bei Fahrtantritt den Stecker in die Zwölf-Volt-Buchse. Wenn das grüne Lämpchen leuchtet, hat er alles richtiggemacht. Denn um im Notfall gerettet zu werden, braucht er ein Smartphone und eine aktive Bluetooth-Verbindung sowie die App, die er vorher im App-Store seines Versicherers herunterladen muss.
Passiert kein Unfall, verbraucht der Stecker nur Strom. Die dazugehörige App zeichnet die drei letzten Positionen auf, die der Fahrer passiert hat, damit Hilfskräfte im Notfall wissen, wo er sich befindet und in welcher Richtung er unterwegs ist. Diese Daten werden laufend überschrieben. "Rückschlüsse auf die Fahrweise sind dadurch bewusst ausgeschlossen worden", machte Werner Schmidt deutlich, ein weiterer Vorsitzender des Lenkungsausschusses. Man wolle sich mit dem Unfallmeldedienst bewusst von anderen Telematiklösungen absetzen, die dazu dienen, die Tarife an die Fahrweise der Versicherten anzupassen.
Außer bei schweren Unfällen mit einer automatischen Weiterleitung zur Notrufzentrale der Autoversicherer kann die App bei leichten Unfällen oder Pannen auch manuell bedient werden. Je nachdem, ob im betreffenden Vertrag Schutzbrief-Leistungen vereinbart sind, wird der Versicherer helfen. Bei schweren Unfällen kommt die Notrufzentrale ins Spiel, die seit 1996 von der GDV-Dienstleistungs-GmbH betrieben wird. Auch die Notrufsäulen werden von der GDV-Tochter betrieben. Wie deren Geschäftsführer Jens Bartenwerfer betont, sei man perfekt vorbereitet auf den Start des Unfallmeldedienstes.
"Bei uns geht der Notruf ein und wird von einem speziell ausgebildeten Agenten aufgenommen, der umgehend zum Smartphone des Anrufers durchgestellt wird", machte er deutlich. Bei Verletzten wird zudem eine Konferenzschaltung zur nächsten Rettungsleitstelle hergestellt, die die Hilfe organisiert. Bei sogenannten Silent Calls – wenn also der Verletzte nicht mehr telefonieren kann – tritt sofort die Rettung auf den Plan, die dank der übermittelten Daten genau weiß, wo sich der Unfall zugetragen hat. (epo)
Bild: Jens Bartenwerfer (links) und Peter Slawik (rechts) (Quelle: epo)
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