Schlaglicht

Versicherer & disruptive Branchentrends

Von Rafael KurzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Mehr als 200.000 Besucher werden diese Woche in Hannover erwartet. Immerhin fünf Prozent der Fachbesucher kommen aus der Versicherungswirtschaft. Diese Experten wissen ganz genau, welche Themen zukunftsrelevant für die gesamte Branche sind. Ein Auszug der Buzz-Words, um dies sich auch die Cebit dreht.
Es geht um digitale Transformation, Security & Privacy, um das Internet of Everything und disruptive Technologien - auf dem Weg zum Versicherer 4.0 ist nicht an den Headlines vorbeizukommen.

Digitale Transformation

Neue Websites mit modernem Layout und zusätzlichen Online-Diensten sowie Apps reichen nicht aus, um die Effizienz und Kundenbindung zu verbessern. "Denn die digitale Transformation geht weit über punktuelle Optimierungen hinaus”, lautet eine zentrale Erkenntnis für den Change-Prozess in der Versicherungswirtschaft. Durch eine vollständige Automatisierung von einfachen Produkten und Prozessen könnten laut Roland Berger zudem 40 bis 50 Prozent der heute hierfür eingesetzten Kapazitäten eingespart werden, teilweise sogar mehr.
"Ganz klar: der Vertreter verkauft die Versicherung", ist Michael Eckstein vom IT-Dienstleisters 3m5 überzeugt "Aber Roboter werden ihn mit so genannten Social Signals unterstützen. Das heißt, nach der Auswertung seiner Kontakte in den sozialen Netzwerken erhält der Vertreter Hinweise zu konkreten Versicherungsanlässen."

Business Intelligence

Im Rahmen von Self-Service Business Intelligence werden Daten über Kunden, Verträge, Produktion, Versicherungsleistungen und vieles mehr integriert dargestellt und auf Knopfdruck für die Anwender verfügbar gemacht. "Das Wissen ist auf Knopfdruck für jeden, der es gebraucht, verfügbar", erläutert Stefan Wetzel, Bereichsleiter Aktuariat & Berichtswesen, die zentralen Nutzen derartiger Projekte. "Eine unnötige Informationsflut oder Datenverteilungen, zum Beispiel per Mail sind dadurch zum großen Teil überflüssig geworden. Auch die Belange des Datenschutzes an die auszuwertenden Daten lassen sich mit einem solchen System zentral steuern."
Nicht zuletzt die Auswertungen verfügbarer großer Datenmengen ist ein zentraler Erfolgsfaktor für den Versicherer 4.0. Es ist "dabei unumgänglich, analytische Plattformen zu etablieren, welche auf Basis großer wachsender Datenvolumen die Marktentwicklung präzise vorhersagen und die Grundlage für valide Entscheidungen liefern", sagt Lars Schlömer, Head of Business Intelligence bei Sopra Steria Consulting.

Internet der Dinge

Das Internet der Dinge (IoT) können Versicherer nutzen für individuelle Produkte, zur Schadensvermeidung und zur Kundenbindung. Dieser Auffassung ist Ralph Sonntag von der HTW Dresden. Seine These: “Das Internet der Dinge ist der Katalysator für die Kundenbeziehung von morgen.”
Versicherungsexperte und Buchautor Volker P. Andelfinger dreht die Idee noch weiter: “Die Kür – aus heutiger Sicht, morgen ist auch sie schon Pflicht – heißt Internet der Dinge, das Connected Life. Daraus lassen sich Chancen ableiten, die die Versicherungsbranche heute noch weitestgehend links liegen lässt.”
Wohin die Reise gehen könnte, weiß Telekom-Vertriebsexperte Thomas Eckert: “Die Königsklasse beim digitalen Menschen wird irgendwann ein Chip-Implantat sein, das persönliche Daten zu Gesundheit oder Fitness verarbeitet und die möglicherweise auch für Krankenkassen relevant sein können.”

Cyber- und Business-Security

Cyber stellt selbst für Versicherer ein konkretes Gefahrenszenario dar: Durch neue digitale Geschäftsmodelle in den Bereichen “Connected insurance” oder “Insurance on demand” wächst bei Versicherern die Fläche für mögliche Attacken von außen. Davon ist Accenture-Sicherheitsexperte Marius von Spreti überzeugt. Ein erhebliches Risiko sieht er im möglichen Verlust des Kundenvertrauens beim Umgang mit sensiblen Daten.
Die Risikolandschaft für Unternehmen wandelt sich, weil viele Industriezweige vor einer grundlegenden Neuausrichtung stehen”, sagt Chris Fischer Hirs, CEO von AGCS. „Neue Technologien, die wachsende Digitalisierung und das Internet der Dinge verändern Kundenverhalten, Industrieprozesse und Geschäftsmodelle. Das eröffnet eine Vielzahl von Chancen, führt Unternehmen aber auch vor Augen, dass sie die damit ebenfalls verbundenen Herausforderungen nur in einem übergreifenden Risikomanagementansatz bewältigen können.” Geschäftspotenzial für die Branche gibt es jenseits von Zertifizierungen, wie sie der VdS anbietet, reichlich. Denn: Kleine und mittlere Unternehmen sind meist nicht ‘cyber-ready’”, hat die Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unlängst festgestellt.
Die digitale Transformation zu bewältigen ist die zentrale Challenge der Versicherungsunternehmen und bedeutet Change Management auf allen Ebenen. VWselections hat zu diesem Themenkomplex mehrere Reports, Interviews und Analysen publiziert, die Orientierung und Nutzwert bieten. Ob Versicherer nun Getriebene sind oder zu Gestaltern werden, stellt Zukunftsforscher Dirk Solte zur Debatte. (ku)
Bildquelle: Fotolia
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Aus der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft (Heft 03/16):

>Digitale Kompression: Herkömmliche Methoden und Grenzen der Unternehmensführung weiten und vernetzen sich.

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  • Titel-Report: Chefredakteur Heinz Klaus Mertes zu den Parametern der Digitalen Kompression - Das Gesicht der Wirtschaft formt sich neu. (zum Beitrag)
  • Interview: Wirtschaftsforscher Clemens Fuest über digitale Investitionen und die Wettbewerbsstärke Deutschlands. (zum Beitrag)
  • Expert: In Harmonie mit den Maschinen: Zukunftsforscher Dirk Solte über ökonomische und soziale Wechselwirkungen von Big Data. What are the perspectives? How to dance with the machines in sustainable harmony. (zum Beitrag)
Versicherer · Cebit · Digitale Transformation
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