Schlaglicht

"Money for Nothing"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Money for Nothing" lautet ein Welthit der britischen Band Dire Straits aus dem Jahr 1985. Heute scheint dieser Satz zum neuen Motto der EZB geworden zu sein. Denn die europäischen Notenbanker um Mario Draghi haben mit ihrer gestrigen Entscheidung für eine handfeste Überraschung unter den Marktteilnehmern gesorgt. Während der Dax mit einem Strohfeuer reagiert, sprechen Experten bereits von einer Sackgasse.
Es war ein Paukenschlag, zu dem die EZB am gestrigen Donnerstag ausholte. Während der Einlagenzins erwartungsgemäß um 0,1 Prozentpunkte auf -0,4 Prozent gesenkt wurde, wird das Anleiheprogramm noch deutlich ausgeweitet. Ab April will die europäische Notenbank das Volumen ihrer Anleihekäufe von 60 auf 80 Mrd. Euro ausweiten. Zudem will die EZB künftig auch Unternehmensanleihen erwerben. Für eine handfeste Überraschung sorgte hingegen die Entscheidung, den Leitzins von bislang 0,05 Prozent auf null Prozent zu senken.
"Stellen Sie sich vor, wir geben einfach auf, was den Kampf um Preisstabilität angeht. Sie haben dann statt Inflation Deflation. Eine der schlimmsten Auswirkungen von Deflation besteht darin, dass das reale Gewicht der Schulden verändert wird", verteidigte Draghi die EZB-Entscheidung vor den versammelten Pressevertretern. Beobachter werten die Entscheidung hingegen bereits als "Verzweiflungstat".
"Die EZB beschleunigt ihre geldpolitische Irrfahrt. Die heutige Zinsentscheidung der EZB verstärkt den Abwärtsstrudel für die Sparer. Langfristige Altersvorsorgekonzepte werden ebenso entwertet wie zinsabhängige Institute in risikoreichere Geschäfte gedrängt werden", kritisierte Liane Buchholz, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB), die Entscheidung der Notenbank. Auch die Versicherungswirtschaft sieht die Geldpolitik der EZB mit "größter Sorge" (siehe DOSSIER).
Kein Wunder, leiden die Versicherer doch bereits seit längerem unter der Niedrigzins-Politik. Selbst die Kassen leiden bereits unter den Auswirkungen, da deren Rücklagen eigenen Angaben zufolge in den Gesundheitsfonds negativ verzinst werden. So rufen bereits erste Kassen nach staatlicher Unterstützung - finanziert aus Steuergeldern und damit aus den Taschen derer, die auf eine medizinische Versorgung angewiesen sind.
Fazit: Die Angst des Sparers und des Versicherers vor dem schleichenden Gift des Negativzinses hat jedenfalls neue Nahrung erhalten. Doch "Geldpolitik alleine kann nicht zu einem ausgewogenen Wachstum führen", meint der frühere EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark. (td)
Bild: EZB-Präsident Mario Draghi dreht weiter am Geldhahn (Quelle: WEF)
__________

Weitere Themen im Blick von VWheute:

Bei der Wahl in Baden-Württemberg verspricht insbesondere die Frage Spannung, ob die Grünen besser als die CDU abschneiden. Aber auch dieses Wahlergebnis wäre keine Garantie für Winfried Kretschmann, dass er Ministerpräsident bleiben kann. Denn die Sitzverhältnisse können bei fünf in den Landtag einziehenden Parteien die Regierungsbildung schwieriger und überraschender machen.
Das Erdbeben und die Flutwelle in Japan heute vor fünf Jahren stehen für mehr als 15.000 Tote. Mehr als 260 Küstenstädte wurden größtenteils zerstört, wie auch der Reaktor von Fukushima. Betreiber Tepco hat den dadurch verursachten Schaden auf knapp 100 Mrd. Euro beziffert, laut Munich Re waren es insgesamt 210 Mrd. Euro. Bei einem Atomunfall in Deutschland reguliert die Deutsche Kernreaktor Versicherungsgemeinschaft DKVG.
Im vierten Rekordjahr in Folge hat die Hannover Rück SE beim Gewinn 2015 die Milliarden-Marke geknackt. Dank eines “bemerkenswerten” und über den Erwartungen liegenden Prämienwachstums und erneut geringer Belastungen durch Großschäden sowie eines guten Kapitalmanagements stand unter dem Strich ein Konzerngewinn von 1,15 (Vorjahr: 0,99) Mrd. Euro. Angepeilt worden waren 950 Mio. Euro.
Auch interessant
Zurück
19.03.2019VWheute
Aus 1 und 1 sollen 3 werden: Axa Art und Axa XL mit gemein­samem Markt­auf­tritt In Maastricht hat dieser Tage wieder die altehrwürdige Kunst- …
Aus 1 und 1 sollen 3 werden: Axa Art und Axa XL mit gemein­samem Markt­auf­tritt
In Maastricht hat dieser Tage wieder die altehrwürdige Kunst- und Antiquitätenmesse Tefaf ihre Pforten für das Preview- und Vernissagepublikum geöffnet. Wieder vertreten ist in diesem Jahr …
11.10.2018VWheute
Austra­lien setzt bei Sozi­al­leis­tungen auf digi­tales Geld Die Regierenden Australiens wollen Blockchain-basiertes "Smart Money" bei der …
Austra­lien setzt bei Sozi­al­leis­tungen auf digi­tales Geld
Die Regierenden Australiens wollen Blockchain-basiertes "Smart Money" bei der gesetzlichen Pflegeversicherung für Menschen mit Behinderung (NDIS) einsetzen. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt von staatlichen Stellen und …
26.04.2018VWheute
Money talks: Larry Fink will Garan­tien bei neuer Alters­vor­sorge Der Man of Wallstreet spricht über die Altersvorsorge (AV). Was der Chef des …
Money talks: Larry Fink will Garan­tien bei neuer Alters­vor­sorge
Der Man of Wallstreet spricht über die Altersvorsorge (AV). Was der Chef des größten Vermögensverwalters Blackrock sagt, ist weder neu noch revolutionär, aber schlüssig. Als größtes Problem sieht Fink die …
13.03.2018VWheute
"Versi­cherer vernach­läs­sigen Beleg­schafts­ge­schäft" Das Belegschaftsgeschäft wird immer mehr von den Versicherungsgesellschaften vernachlässigt, …
"Versi­cherer vernach­läs­sigen Beleg­schafts­ge­schäft"
Das Belegschaftsgeschäft wird immer mehr von den Versicherungsgesellschaften vernachlässigt, stellt der Geschäftsführer von "for you Insurance Services GmbH", Jens-Uwe Rohwer, fest. Die Selbsthilfeeinrichtung für …
Weiter