Schlaglicht

Legale Korruption bei Ärzten?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Sogenannte Anwendungsbeobachtungen scheinen nicht nur medizinischen Zwecken zu dienen - verbunden mit finanziellen Vorteilen für die Ärzte. Rund 100 Mio. Euro soll die Pharmaindustrie allein 2014 an rund 170.000 deutsche Ärzte für die Mitarbeit an umstrittenen Studien gezahlt haben, Kritiker sprechen dabei von legaler Korruption, berichtet das Nachrichtenportal tagesschau.de.
Demnach sollen allein 2014 rund zehn Prozent der Ärzte in Deutschland an entsprechenden Anwendungsbeobachtungen teilgenommen haben. Dafür erhielten diese im Durchschnitt ein Honorar von etwa 669 Euro pro Patient. Allein zwischen 2009 und 2014 wurden laut tagesschau.de mehr als 1.300 solcher Studien gemeldet, bei denen die Daten von mehr als 1,7 Millionen Patienten erfasst worden sein sollen.
"Die Honorare stehen in keinem Verhältnis zum Aufwand und sind gefährlich hoch", kritisierte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Das Ziel der Pharmaindustrie sei, so Patienten zu rekrutieren. Schon vor einigen Jahren bezeichnete er diese Studien als "legale Form der Korruption", mit denen die Ärzte dazu animiert werden sollten, den Patienten bestimmte Medikamente zu verkaufen.
Während teilnehmende Ärzte und Unternehmen diese Beobachtungen meist mit einem wissenschaftlichen Interesse begründen, bezweifeln andere Experten hingegen genau diesen wissenschaftlichen Nutzen. "Das Geld wird aus wissenschaftlicher Sicht verschwendet", sagt Jürgen Windeler, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Die Ergebnisse von Anwendungsbeobachtungen würden eigentlich niemanden interessieren, kritisiert er laut Bericht.
Lauterbach räumt indes ein, dass die Regierung bei diesem Thema "wohl noch mal ran" müsse. Sein Vorschlag: Eine Genehmigungspflicht. "Wir müssen erreichen, dass nur die Studien durchgeführt werden, die auch Sinn machen", wird Lauterbach zitiert. Einen entsprechenden Gesetzesvorschlag gebe es jedoch noch nicht. (vwh/td)
Bildquelle: Thorben Wengert / pixelio.de
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