Politik & Regulierung

KKH: Millionenschaden durch Abrechnungsbetrug

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der KKH Kaufmännischen Krankenkasse ist 2015 durch Abrechnungsbetrug ein Schaden von 1,4 Mio. Euro entstanden. Dabei griffen die Ermittler nach KKH-Angaben bundesweit 287 neue Fälle auf. In zwölf Fällen wurde Strafanzeige erstattet. Die höchste Schadenssumme verzeichnete die Krankenkasse nach eigenen Angaben im Bereich der Apotheken mit rund 588.000 Euro. Dazu zählen unter anderem sogenannte Luftrezepte.
Im Bereich der ambulanten Pflege verzeichnete die KKH nach eigenen Angaben einen Schaden von etwa 323.000 Euro. Hier wurden beispielsweise Gelder von einem Pflegedienst erschlichen, indem er Pflegedienstnachweise gefälscht oder Dienstpläne für Mitarbeiter erfunden hatte. Auf Rang drei bei der Schadenhöhe folgen laut KKH Krankengymnasten und Physiotherapeuten, die beispielsweise Gelder für nicht erbrachte Leistungen abgerechnet hatten.
Die Top Ten der aufgedeckten Fälle 2015 
  1. Krankengymnasten/Physiotherapeuten (138)
  2. Ambulante Pflege (43)
  3. Apotheke (26)
  4. Zahnärztliche Leistungen (12)
  5. Ärztliche Leistungen (11) und Krankenhaus (11)
  6. Fahrkosten (9)
  7. Massage / medizinische Badebetriebe (5), Orthopädische Hilfsmittel/Sanitätshäuser (5)
  8. Ergotherapie (4), Logopäden (4) und Orthopädietechnik/Orthopädieschuhmacher/Schuhmacher (4)
  9. Neben Abrechnungsbetrug mit eindeutig messbaren Schadenssummen habe das Gesundheitswesen nach Ansicht der KKH massiv mit Korruption zu kämpfen, auch wenn bereits in Teilen der Ärzteschaft ein Umdenken stattgefunden habe. "Interessenkonflikte unterscheiden sich grundlegend von Korruption, sie sind im ärztlichen Berufsalltag häufig unvermeidlich und müssen nicht zu Fehlverhalten führen", sagt David Klemperer, Professor für Sozialmedizin und Public Health an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg.
    "Die mittlerweile gewachsene Kultur der Offenlegung und des Umgangs mit Interessenkonflikten dürfte auch dazu geführt haben, dass Ärzte sensibler gegenüber der eigenen unangemessenen Beeinflussung durch Geschenke und Vorteile jeder Art von Seiten der Industrie sind. Die Arzneimittelkommission der Ärzteschaft und die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften haben hier wichtige Pionierarbeit geleistet", ergänzt Klemperer. Zudem sieht KKH-Chef Ingo Kailuweit auch die Politik in der Pflicht: "Es wird höchste Zeit, dass das Anti-Korruptionsgesetz endgültig verabschiedet und somit eine fast vierjährige Gesetzeslücke endlich geschlossen wird." (vwh/td)
    KKH · David Klemperer · Ingo Kailuweit
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