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Generation Y: Forscher fühlt Branchen-Hype auf den Zahn

Von Rafael KurzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Hamburg School of Business Administration kündigt an, dem Branchen-Hype der Generation Y auf den Grund zu gehen. Versicherungswissenschaftler Florian Elert hat die aktuellen Trends und den Stand der Digitalisierung der Versicherungswirtschaft ausgemacht und will die kommenden auf dem Radar behalten. Die Details erläutert er im Vorfeld seiner heutigen Antrittsvorlesung im Interview mit VWheute.
VWheute: Wie ist aus Ihrer Sicht der aktuelle Stand der Digitalisierung in der Versicherungswirtschaft?
Florian Elert: Eine Vielzahl von Versicherungsunternehmen nimmt mittlerweile die Herausforderungen durch die Digitalisierung an und stellt das Thema in den Mittelpunkt ihrer Unternehmensstrategie. In der Branche herrscht eine hohe Dynamik bei den sogenannten Insuretechs, weltweit sind zahlreiche Neugründungen zu beobachten. Die bisherigen Digitalisierungsinitiativen im Versicherungsmarkt zielen vielfach darauf ab, die Prozesseffizienz zu steigern und den Kundenwunsch nach einfachen und transparenten Angeboten zu erfüllen. Wichtige Themen sind in diesem Zusammenhang vor allem die Integration neuer Kommunikationswege, vereinfachte Abschlussmöglichkeiten und eine erhöhte Selbstverwaltungsmöglichkeit.
VWheute: Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten Jahren?
Florian Elert: Die Verbesserung der Prozesseffizienz und die Ausrichtung an den Kundenwünschen werden weiterhin im Fokus der Digitalisierungsmaßnahmen stehen. Außerdem wird der Anstieg der verfügbaren Daten dazu führen, dass in die Tarifierung und die Zeichnungsentscheidungen neue Informationen einfließen. Die "Überwachung" des versicherten Risikos und die Verhaltensbeeinflussung nach Vertragsabschluss werden zunehmen, wie wir es heute schon in ersten Zügen bei den Telematiktarifen sehen. Die Daten, die durch das Internet, Smart Homes und die Digitalisierung des Gesundheitswesens generiert werden, ermöglichen zum Teil in Echtzeit neue Formen des Präventions- und des Schadenmanagements. Außerdem wird die Nutzung von Smart Devices oder Apps als Vertriebsweg zunehmen.
VWheute: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Florian Elert: Die größte Herausforderung liegt in der hohen Veränderungsgeschwindigkeit. Die Möglichkeiten, die die Digitalisierung mit sich bringt, sind kaum vorherzusagen. Ob ein Versicherungsunternehmen in der Lage ist, die Organisationsstruktur, die Prozesse und das Leistungsangebot schnell anzupassen, wird zukünftig immer mehr zu einem Wettbewerbsfaktor werden. Einen solchen Wettbewerb hat es in dieser intensiven Form in unserer Branche bisher nicht gegeben. Außerdem müssen wir uns neben dem Thema Digitalisierung auch intensiv mit der Umsetzung umfassender regulatorischer Vorgaben auseinandersetzen. Hierbei denke ich vor allem an Solvency II sowie an die Herausforderungen, die sich aus dem Niedrigzinsumfeld ergeben. Gleichzeitig sinken durch die Digitalisierung die Eintrittsbarrieren für branchenfremde Unternehmen in den Versicherungsmarkt.
VWheute: Welchen Beitrag kann die Forschung leisten?
Florian Elert: Die Forschung kann der Versicherungswirtschaft dabei helfen, Trends und verändertes Kundenverhalten im Blick zu behalten, zu analysieren und daraus Implikationen für das Geschäftsmodell Versicherung ableiten. Wir werden an der HSBA Hamburg School of Business Administration ein Forschungsprojekt aufsetzen, das sich mit den Möglichkeiten des digitalen Risikomanagements im Privatkundenbereich auseinandersetzt. In dieses Forschungsprojekt sind auch unsere Studierenden mit eingebunden. Sie sollen einschätzen, ob die neuen digitalen Risikomanagementmöglichkeiten wirklich einen Nutzen für die Generation Y stiften.
Zudem planen wir einen sogenannten "Digitalisierungsradar", der kontinuierlich Digitalisierungsinitiativen im nationalen und internationalen Finanzbereich erfasst und deren Fortentwicklungen beobachtet. Die HSBA bietet außerdem eine Plattform, um die Digitalisierung der Geschäftsmodelle in der Versicherungswirtschaft zu unterstützen. Die HSBA stellt Fach-Know-how und Räumlichkeiten zur Verfügung, damit Studierende gemeinsam mit Experten neue Anwendungen und Konzepte entwickeln können – im Großen wie im Kleinen. Die Unternehmen profitieren von den Projektergebnissen und die Studierenden üben sich in der Entwicklung innovativer Geschäftsideen.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.
Bild: Florian Elert verantwortet seit Oktober 2015 die Lehre und Forschung im Bereich Versicherungswirtschaft an der HSBA Hamburg School of Business Administration und hält heute seine Antrittsvorlesung zum Status quo und Ausblick der Digitalisierungsbemühungen der Branche. (Quelle: HSBA)
Ausführlicher Expert: Im digitalen Kosmos der Versicherer. Aus den zahlreichen Digitalisierungsinitiativen erwachsen Veränderungen in allen Bereichen. (Einzelbeitrag)
Generation Y · HSBA
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