Schlaglicht

Versicherer 4.0: Austarieren von Online- und Offline-Welt

Von Heinz Klaus MertesTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Gesicht der digitalen Wirtschaft bildet sich noch heran. Für die Versicherer, deren Marktauftrag sich auch an eine sozialethische Verantwortung bei der Gestaltung von Zukunft bindet, ist das keine Randfrage. Mag sein, dass sich aus einer branchenspezifischen Risikoaversion Versicherer Veränderungen eher verhalten anheimgeben. Bei der Digitalisierung funktioniert das nicht.
Die Woge reißt ganz einfach mit, auch weil mit der neuen Technik neue Player auftreten, die den Markt aufmischen. Die unabkömmliche Rolle als Risikoträger der Industrie veranlasste den EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft Günther Oettinger denn auch, an die bei der GDV-Jahrestagung versammelten Top-Manager zu appellieren, sich nicht kleinmütig nur mit der Niedrigzinsphase zu beschäftigen. Derzeit gehe es um Größeres: "Alle reden heute immer von Industrie 4.0", wurde Oettinger leidenschaftlich. Doch es gehe um Wirtschaft 4.0. "Und dazu gehören eben auch Sie, die Versicherer."
Schon vor dem Kommissar-Appell entwickelte sich auf breiter Front und mit zunehmender Dynamik ganz offenkundig das, was die weisen Professoren bei der Vorstellung ihres Jahresgutachtens im vergangenen November noch glaubten zu vermissen: Nämlich die Entschlossenheit, sich als Querschnittsindustrie dem notwendigen Change konsequent zu stellen. Es sind nicht nur die ganz Großen der Branche, die in die digitalen Vollen gehen. Gerade bei dieser tiefgreifenden Neuausrichtung geht es um Beweglichkeit, Tempo, Kreativität. Und um Zusammenarbeit mit externer Exzellenz, die davor bewahrt zur Nachhut zu werden.

Kompression der Makrobedingungen

Die Auswirkungen für die Praxis liegen auf der Hand: Der Underwriter von Risiken wird durch neuartige Datenanalysen und deren fortgeschrittene digitale Verwendung erheblich mehr und anders herausgefordert werden. In dem  Zusammenhang scheint auch eine Verschiebung des "Herrschaftswissens" über die Kunden von den Vermittlern als den bisherigen Marktantennen hin in die Anbieterzentralen möglich. Wohl deshalb spricht Allianz-Chef Oliver Bäte von dem neuen Austarieren von Online- und Offline-Welt.
Leichter wäre es gewiss, wenn die umstürzenden digitalen Prozesse in weniger unsicheren Zeiten zu bewältigen wären. Doch die Makrobedingungen mit labilen, teils denaturierten Finanzmärkten, mit einem erschütterten Euro-Raum, unter dem Himmel kriegerischer Rauchwolken und entgrenzter Migration sind nun einmal so. Auch in dieser Kompression stehen Versicherer 2016 mittendrin statt nur dabei. (hkm)
Bildquelle: Fotolia
Ausführlicher Titel-Report: Das Gesicht der Wirtschaft formt sich neu. Die Versicherer stellen sich dem machtvollen und umfassenden Prozess der Digitalisierung immer offensiver, in VW 03/16 (Einzelbeitrag)
Oliver Bäte
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