Schlaglicht

Diese Woche: Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Von Tobias DanielTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Von VWheute-Redakteur Tobias Daniel. "Enttäuschung über gute Zahlen" lautet das Credo des medialen Widerhalls zur Geschäftsbilanz 2015, welche die Allianz am vergangenen Freitag in München den versammelten Medienvertretern präsentierte. Ein Umsatzplus und ein Gewinn am oberen Rand der Prognosen sorgten nämlich nicht gerade für wahre Lobeshymnen.
"Die Allianz sei vor allem eins: zu teuer. Und irgendwie geben die rekordverdächtigen Gewinne und die stolze Dividendenausschüttung den Kunden auch recht", kommentierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die für Europas größten Versicherer bereits einen Konflikt zwischen "Aktionär und Kunden" heraufziehen sieht. Die Händler auf dem Frankfurter Börsenparkett konnte die Allianz-Performance trotz höherer Dividende nicht beeindrucken: die Anleger straften die Aktie am Freitag mit einem satten Minus von 1,70 Prozent ab (siehe DOSSIER).
So passte es durchaus ins Bild, dass Vorstandschef Oliver Bäte den Erwartungen für das laufende Jahr gleich den nächsten Dämpfer verpasste. Zwar stellte er erneut "sehr gute Ergebnisse in Aussicht", prophezeite gleichzeitig aber einen Gewinnrückgang. Auch größere interne Umstürze und Revolutionen seien nicht von ihm zu erwarten. Der Kunde soll dennoch weiter klar im Fokus stehen - analog wie digital (siehe KÖPFE).
Unsicherheit prägt also den künftigen Kurs der Allianz, deren Geschäftsmodell vor allem digitaler werden soll. Unsicherheit prägt allerdings auch das derzeitige Geschehen an den Aktienmärkten. Selbst wenn die Talfahrt des Dax vorerst gestoppt ist, warten in dieser Woche zahlreiche Unternehmen - darunter auch die Axa und der Schweizer Rückversicherer Swiss Re - mit ihren Geschäftszahlen des Jahres 2015 auf. Denn deren Ergebnisse könnten die Stimmung bei den Anlegern wieder dämpfen (siehe MÄRKTE).
Unsicherheit über die eigene Zukunft beherrscht auch die gesamte Branche: Während Frank Grund, Versicherungschef der Bafin, den Lebensversicherern jüngst schwere Zeiten prophezeite, beschäftigen sich die Kfz-Versicherer auf der BF21-Jahrestagung in Köln mit den Herausforderungen, welche die Telematik und selbstfahrende Autos mit sich bringen werden.
Denn laut einer KPMG-Studie müssten diese durch autonome Fahrzeuge, Carsharing und andere technische Neuerungen bis 2030 mit einem sinkenden Prämienvolumen von bis zu 50 Prozent rechnen. Mit entsprechenden Auswirkungen auf das Schadenmanagement der Zukunft, welches von hochrangigen Experten auf dem heute beginnenden Schadengipfel in München erörtert wird.
Die Quintessenz: Ob digitale Zukunftsstrategie für Versicherer à la Allianz oder die gewiefte Fußballtaktik eines Pep Guardiola für den FC Bayern - die Wahrheit liegt am Ende immer auf dem Platz. Dies wusste schon der alte Trainerfuchs Otto Rehhagel.
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Weitere Themen im Blick von VWheute:

Der Termin für die drei Landtagswahlen am 13. März rückt unerbittlich näher und die AfD sonnt sich in der weiterhin ungelösten Flüchtlingskrise. Und nun soll ausgerechnet die Türkei den Flüchtlingsstrom ausbremsen. Eine weitere Verschärfung des Asylrechts wird der Bundestag diese Woche im Eilverfahren durchbringen. Der Bundesrat beschäftigt sich zudem mit einem Gesetzesentwurf zur Reform der Pflegeberufe. Das Berliner Demografieforum rückt währenddessen die Themen "Arbeit - Lebenschancen - Wohlstand" in den Fokus.
"Die reine Kundenbetreuung im Call-Center-Sinne stellt nur einen kleineren Teil des Produktportfolios dar", sagt Andreas Tiedtke, Geschäftsführer von Roland Assistance, im Exklusivinterview mit VWheute. So übernehme man für Auftraggeber aus der Branche ganze Prozesse – "von der Entgegennahme der Kundenanliegen über die Leistungsorganisation und -abwicklung bis hin zur Regulierung und Schadenschließung".
Diejenigen, die den digitalen Wandel mitgestalten, zeigt VWheute in der Serie "@home" aus der Perspektive ihres zentralen Arbeitsgerätes. Martin Bockelmann ist Geschäftsführer von xbAV GmbH. Er prognostiziert, dass Versicherer, "die tatsächlich die Digitalisierung und Automatisierung ernst genommen und vorangetrieben haben", sich als Erste deutlich im Markt absetzen werden.
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