Schlaglicht

Allianz: Wenig Lob für gute Zahlen

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Umsichtig", so hat Allianz-Chef Oliver Bäte das erste ausschließlich von ihm selbst verantwortete Zahlenwerk auf der Medienkonferenz in München in einer Eigenkommentierung genannt. Er möge das Wort sehr, denn dieses charakterisiere seinen Managementansatz. Schließlich seien weder in der Politik, Stichwort Euro- und Flüchtlingskrise, noch in der Wirtschaft, Stichwort Finanz-, Börsen- und Ölpreiskrise, die Probleme gelöst. Das spiegelt sich auch in den Kommentaren von Medien und Analysten wieder, die sich zum Teil zufrieden, aber auch ungeduldig zeigen.
"Während sich andere mit dem Wiederaufflammen der Eurokrise beschäftigen müssen, konzentrieren wir uns voll auf das Thema Digitalisierung, wir liefern keine schlechten Schlagzeilen", so Allianz-Chef Bäte in seiner Gesamtbilanz. Dem widerspricht die Öffentlichkeit zwar nicht ausdrücklich, behält sich aber eine differenzierte Betrachtung der Münchener Aktivitäten vor.
So sieht das Handelsblatt das Management in der Pflicht sich vor allem dem Problemkind Pimco zu widmen. Unter der Schlagzeile "Ein Problem muss Konzernchef Bäte anpacken" kommentiert Kerstin Leitel: "Auch die Allianz muss sich dem immer schwierigeren Umfeld für Versicherer beugen. Die niedrigen Zinsen setzen der gesamten Branche zu, weil sie an den Kapitalmärkten nicht mehr so lukrative Renditen erzielen. Die zum Jahresbeginn gültige Kapitalvorschriften "Solvency II" sorgten zudem dafür, dass die Unternehmen ihre Systeme umstellen und vorsichtiger kalkulieren mussten."
Die Süddeutsche Zeitung befürchtet, dass die Allianz versuche es allen Recht zu machen und dabei niemand wirklich glücklich macht. Zum Stichwort Digitalisierung schreibt die SZ: "Bäte tastet sich an die gigantische Aufgabe heran, bei der Allianz im Kern ein neues digitales Geschäftsmodell einzuführen. Dafür braucht er jede Unterstützung, die er kriegen kann - deshalb die Wundertüte für alle Beteiligten. Allerdings: Ganz so harmlos wie bislang wird der Umbau wohl auch nicht bleiben".
Unter der Schlagzeile "Bäte strebt ins Herz der Allianz" kommentiert die Börsenzeitung: Bäte wolle eben kein "McKinsey-Typ" sein, "sondern ein Manager zum Anfassen. Auffällig außerdem, wie Bäte sich eingangs (der Pressekonferenz; Anm. d. Red.) erst bei den Vorstandskollegen, dann bei den Mitarbeitern und schließlich sogar bei den Kunden bedankt. Die Kernbotschaft formuliert er am Ende selbst: Das Team ist alles. Bäte will ankommen im Herz der Allianz."
Dagegen sieht Henning Peitsmeier in der FAZ in seinem Kommentar zur Allianz einen Konflikt zwischen "Aktionär und Kunde" heraufziehen wenn er schreibt: "Bäte will nun aber zuerst an den Kunden denken. Ihn stellt er ins Zentrum seiner neuen Strategie. Wenn er den 80 Millionen Kunden in aller Welt zuhört, müsste ihm eine Klage sehr bekannt vorkommen. Die Allianz sei vor allem eins: zu teuer. Und irgendwie geben die rekordverdächtigen Gewinne und die stolze Dividendenausschüttung den Kunden auch recht."
"Nicht überzeugen" kann die Performance der Allianz-Aktie die Online-Broker von Lynk: "Trotz der prozentual schönen Aufwärtsbewegung der letzten Tage, befindet sich der gesamte Chart der Allianz-Aktie nach wie vor im negativen Terrain", so deren Resumee. Merrill Lynch sieht im Versicherungssektor bessere Alternativen, sieht das Kursziel bei 150 Euro und belässt deshalb die Aktie auf "underperform". Positiver sieht hingegen das Research-Team der Deutschen Bank das Papier: "kaufen" lautet hier die Empfehlung, 190 Euro das Kursziel. Am Freitag, den 19. Februar 2016, ging die Aktie mit einem Minus von 1,70 Euro (-1,25 Prozent) aus dem Handel und schloss bei 134,05 Euro. Luft nach oben ist auf jeden Fall noch zu sehen.
Auf die Frage schließlich von Christoph Baltzer, Chefredakteur des Beratermagazins Value, zu den Plänen der Allianz in Asien und den Auswirkungen der Niedrigzinspolitik auf die Gesamtwirtschaft im Allgemeinen und auf die Branche im Besonderen anwortet zuerst Investmentvorstand Maximilian Zimmerer recht technisch, während Allianz-Chef Bäte im Nachsatz Klartext spricht: Demnach ist die "lockere Geldpolitik eine Katastrophe". (siehe auch KÖPFE). (vwh/ak)
Bild: Die Allianz-Vorstände Maximilian Zimmerer, Oliver Bäte und Dieter Wemmer (v.l.n.r.) zu Beginn der Jahrespressekonferenz in München. (Quelle: Alexander Kaspar)
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