Schlaglicht

"Balance zwischen Rendite und Risiko bleibt ein Drahtseilakt"

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"Die Attraktivität der Asset-Klasse ist sehr hoch, ebenso die Resonanz der Versicherer", bekennt Hans-Peter Dohr von Institutional Capital Associates im VWheute-Interview zum Thema Infrastrukturinvestments. Das sei auch zum Teil der regulatorischen Weichenstellungen zu verdanken, die eine signifikant geringere Kapitalunterlegung und Verbesserung der SCR mit sich bringe. Aus Diversifikationsgründen sollten Versicherer dennoch ihr verfügbares Kapital auch in ausländische Infrastrukturprojekte stecken.
VWheute: Wie bewerten Sie die jüngsten regulatorischen Weichenstellungen in Sachen Infrastrukturinvestments für Versicherer? Was bleibt hier noch zu tun?
Hans-Peter Dohr: Die Entwicklungen sind sehr positiv zu sehen, insbesondere die Einstufung als "Qualifizierende Infrastrukturinvestitionen", die eine signifikant geringere Kapitalunterlegung und Verbesserung der SCR mit sich bringt, sowohl auf der Eigenkapital- als auch auf der Fremdkapitalseite. Die Summe der Änderungen (Solvency II, AnlV neu, VAG neu, KAGB neu etc.) stellt jeden Versicherer natürlich vor große Herausforderungen diese Neuerungen bei Direktinvestments, Fondslösungen, Verbriefungen, Managed Accounts bzw. Investment-Plattformlösungen im Bereich Infrastruktur richtig einzusortieren.
Schön wäre es natürlich, auch mit Blick auf die anderen VAG-Anleger (Pensionskassen, Versorgungswerke, aber auch kleinere Versicherer), die weiterhin der Regulierung nach der Anlageverordnung unterliegen, wenn eine eigene Anlageklasse "Infrastruktur" mit Privilegierung dieser Anlageklasse geschaffen würde.
VWheute: Wie bewerten Sie die Resonanz? Stellen Sie einen Run auf Infrastruktur-Investments fest? GDV-Präsident Alexander Erdland hat kürzlich kritisiert, dass vor allem hierzulande die Pipeline leer ist.
Hans-Peter Dohr: Die Resonanz der Versicherungswirtschaft ist extrem positiv. Die Anlage-Charakteristika der Assetklasse, insbesondere von Infrastrukturkrediten in unterschiedlichster Form als "Rentenersatz", sind sehr attraktiv. Hinsichtlich Pipeline ist zu sagen, dass ein überschaubar großes Land wie Deutschland mit der durch die hohe Einwohnerzahl breiten Steuerbasis sozusagen natürlich benachteiligt ist. Trotzdem ist der Bedarf an moderner Infrastruktur in Deutschland enorm. Nachholbedarf bei Infrastrukturneu- und reparaturinvestitionen kann man wöchentlich in den Zeitungen lesen.
Bei Vergleichsländern wie dem Vereinigten Königreich führten die wirtschaftspolitischen Initiativen der 80er Jahre zu einer Belebung der privaten Finanzierung von Infrastruktur, in Frankreich die enge Verflechtung zwischen Staat und (ehemals) staatsnahen Konzernen zu einer stärkeren privaten Infrastrukturfinanzierungs-Kultur. Aus Diversifikationsgründen und um das verfügbare Kapital ins Arbeiten zu bringen, sollte man aus Anlagesicht auch auf Investmentmöglichkeiten im Ausland blicken.
VWheute: Für wen sind direkte Investments geeignet? Wer investiert besser über Fonds?
Hans-Peter Dohr: Direkte Investments sind nur für erfahrene Investoren zu empfehlen, die über eine bestimmte Größe verfügen. Hier sind jedoch auch Kooperationsmodelle zwischen Banken und Versicherern oder Lösungen denkbar, bei der ein großer Versicherer vorangeht und das Investment im Kreise von anderen institutionellen Investoren (Versicherern und Pensionskassen etc.) syndiziert. Überlegenswert wäre auch die Bündelung von mehreren kleinen Versicherern zu Investment-Plattformen, wie wir es im Pensionskassenbereich im Vereinigten Königreich oder in Dänemark schon sehen können.
Indirekte Investments über Fond sind für größere Versicherer einerseits aus Diversifikationsgründen interessant, andererseits, weil man damit über einen erfahrenen Manager auch zu Transaktionen kommt, die zum Teil weltweit gesourct werden.
VWheute: Wo geht die Reise hin?  Welches Potenzial sehen Sie für derartige Investments im Portfolio eines Versicherers?
Hans-Peter Dohr: Die Attraktivität der Assetklasse ist sehr hoch, sodass es zu einer Erhöhung der Allokationen kommen wird. Das führt weiterhin zu einem zunehmendem Wettbewerb um Investmentmöglichkeiten, steigenden Asset-Preisen und Margendruck. Die Balance zwischen Zugang zu Investments, Rendite und Risiko bleibt ein Drahtseilakt. Vor allem hinsichtlich des Auffüllens der Pipeline muss ein intensiver direkter Dialog mit den politischen Entscheidungsträgern geführt werden.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.
Bild: Hans-Peter Dohr von Institutional Capital Associates
Infrastrukturprojekt · Hans-Peter Dohr · Institutional Capital Associates
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