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Risiken überlagern Kernaufgaben der Altersvorsorge

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Wie wirken sich europäische und globale Risiken auf unsere Altersvorsorge aus? Vor allem die gegenwärtige Geldpolitik führe zu einer massiven Verzerrung von Marktpreisen und reduziere die marktwirtschaftliche Funktion des Zinses als Anreiz für das Nehmen von Risiken, erläuterte gestern der Chefökonom der Münchener Rück, Michael Menhart, während einer Fachkonferenz zur Zukunft der Altersvorsorge in Berlin.
Zudem gebe es wegen der Niedrigzinsen direkte Auswirkungen auf das in der betrieblichen und privaten Altersvorsorge nötige Vorsorgevermögen, die Vorsorgebeträge und auch auf die Pensionsrückstellungen.
Daneben betrachtete er vier volkswirtschaftliche Dimensionen, die sich mittel- und unmittelbar auf die Altersvorsorge auswirken. "Der kurzfristige Wachstumsausblick ist nicht pessimistisch“, stellte er fest. "Zumindest in den USA und Deutschland, auch in einigen anderen Euroländern stützt privater Konsum die Konjunktur." Daneben beleben der niedrige Ölpreis und die hohe Beschäftigung die Wachstumsaussichten. Langfristig können sich fehlendes Bevölkerungswachstum und vergleichsweise geringe Zuwachsraten in der Produktion hemmend auswirken. Global betrachtet bestehe das Risiko von Stagnation und langfristig niedrigen Zinsen.
Der Niedrigzins sei generell ein zweites Risiko für die Altersvorsorge, so Menhart. Die langerwartete, 2015 eingeleitete Zinswende in den USA werde wohl nicht fortgesetzt werden. "Große Schritte sind 2016 nicht zu erwarten", so seine Einschätzung. In den letzten 15 Jahren gab es überhaupt nur wenige Episoden, in denen die Fed die Zinsen erhöht hat. Auch ökonomische und politische "Downside-Risiken" wie das bevorstehende EU-Referendum in Großbritannien, die Flüchtlingskrise und die nicht ausgestandene Staatsschuldenkrise führten zusammen mit einem "weltweiten Kumul an Unsicherheiten" zu vielen Fragezeichen. Zu diesen weltweiten Risiken gehören vor allem die Auswirkungen der nötigen Transformation der chinesischen Wirtschaft, die EU-Fragmentierung, Verwerfungen in ölproduzierenden Ländern, die Probleme der Schwellenländer und vieles mehr.
Schließlich und viertens sei eine zunehmend globale Regulierung der Versicherungswirtschaft zu erwarten, da die Finanzkrisen national nicht lösbar sind. „Dazu kommt eine Konvergenz in der Regulierung, die die gesamte Finanzdienstleistungsbranche zusammen betrachtet. Das wird sich gravierend auf die Versicherer auswirken“, ist er überzeugt. "Insgesamt wird die Kernaufgabe der privaten und betrieblichen Altersversorgung zunehmend durch andere Risiken überlagert", bilanziert Menhart. (epo)
Bild: Michael Menhart, Chefökonom der Münchener Rück (Quelle: epo)
Altervorsorge · Munich Re · Michael Menhart
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