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Erdland: Aktiencrash? - "Haben wir im Griff"

Von David GorrTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Fintechs? "Sind großer Ansporn", Run-off? "Gut für die Kunden". Von Schieflagen einzelner Lebensversicherer sei ihm nichts bekannt. GDV-Präsident Alexander Erdland strahlt Ruhe und Zuversicht aus, als er das geringste Beitragsplus seit 2011 für die deutschen Versicherer verkündet. Er sieht "Reformbedarf bei der Altersvorsorge" und wünscht sich deshalb einen runden Tisch, ein "Innovationsbündnis für Altersvorsorge", mit allen Stakeholdern.
Trotz der anhaltend niedrigen Zinsen können die Lebensversicherer auf absehbare Zeit alle Verpflichtungen erfüllen, sagt der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland, in Berlin. Auch die jüngsten Börsenturbulenzen bereiten ihm keine Sorgen, weil deutsche Versicherer kaum Aktien besitzen würden. Was Bankanleihen betrifft, erwartet Erdland, dass die Finanzinstitute ihre Schulden zurückzahlen.
Die Einnahmen stiegen wegen des schwächelnden Geschäfts mit der Lebensversicherung nur um 0,5 Prozent auf 193,6 Mrd. Euro. In der Schaden- und Unfallversicherung gab es einen Zuwachs von 2,6 Prozent. Aufgrund des Sturms Niklas kletterten die Leistungen um satte 5,8 Prozent. Die durchschnittliche Verzinsung der Kapitalanlagen von über 822 Mrd. Euro (Ende 2014) dürfte 2015 etwas unter den 3,9 Prozent des Vorjahres gelegen haben. Angesichts eines durchschnittlichen Garantiezinses von knapp drei Prozent gebe es aber noch genug Luft für eine Überschussbeteiligung, betont Erdland. Bei der Lebensversicherung sanken die Einnahmen um 1,3 Prozent auf 92,5 Mrd. Euro und damit erstmals seit vier Jahren.
Das Neugeschäft habe geschwächelt, bei Riester-Policen habe es ein deutlich zweistelliges Minus gegeben, erklärt der GDV-Präsident. Dass einige Versicherer in diesem Zusammenhang die Leben-Sparte in den Run-off schicken würde, sei für ihn lediglich eine  unternehmerische Entscheidung der Versicherer. "Durch die Bündelung der Verträge auf solchen Plattformen entstehen Skalierungseffekte, es kommt zu Kosteneinsparungen und die Kunden können davon sogar profitieren", stellt Erdland fest.
Nicht zuletzt wegen der enttäuschenden Riesterbilanz fordert der GDV mehr Anreize für die Altersvorsorge, ohne jedoch ­– wie mit der Deutschland-Rente – in Aktionismus zu verfallen. "Wir wünschen uns einen runden Tisch, ein Innovationsbündnis für Altersvorsorge in Deutschland, um ein Zielbild angesichts der wachsenden Versorgungslücke zu entwickeln", sagt der Verbandschef.

Die in diesem Zusammenhang von der Politik geplante Abschaffung des Höchstrechnungszinssatzes sieht der GDV kritisch. "Wenn das passiert, dann könnten einige Versicherer Garantiezinsen versprechen, die sie nicht einhalten und somit in Schwierigkeiten geraten. Deswegen brauchen wir in diesem Bereich weiterhin Regulierung", sagt Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der GDV-Hauptgeschäftsführung.
Zufrieden äußerte sich Erdland zudem über die Entwicklung der neuen Leben-Produkte mit reduzierten Garantien. Dennoch wünsche er sich hierbei eine Produktstandardisierung und eine Grundtransparenz für eine bessere Vergleichbarkeit solcher Angebote.
Auf die Frage, warum Versicherer den Einstieg in Infrastrukturprojekte noch nicht wagen, antwortet der GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener: "Weil es davon nicht genügend gibt, in die man investieren könnte. Ferner ist sowohl die Frage der Rechtssicherheit nicht geklärt, als auch welche Rendite für welches Risiko angemessen ist." Erdland ergänzt: "Wir verzögern den Prozess nicht, die Politik muss erst die Rahmenbedingungen für diese Investments verbessern. Die Eigenkapitalunterlegung für solche Projekte ist immer noch zu hoch." (dg)
Bild: Jörg von Fürstenwerth (l.), Vorsitzender der GDV-Hauptgeschäftsführung und GDV-Präsident Alexander Erdland (r.). (Quelle: dg)
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