Schlaglicht

Aktienkurse im freien Fall

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Cash is King" - auf diesen kurzen, aber prägnanten Nenner brachte Frank Meyer, Börsenexperte von n-tv, das aktuelle Börsenbeben auf dem Frankfurter Aktienparkett. So hatte sich der Kursverfall des deutschen Leitindex am Montag weiter fortgesetzt und war erstmals seit Oktober 2014 unter die magische 9.000er-Marke gesunken - Tendenz weiter abwärts. Ein Novum: Die Deutsche Bank musste ihre Zahlungsfähigkeit bestätigen.
So scheinen die Nerven in den Chefetagen des größten deutschen Kreditinstitutes im Frankfurter Bankenviertel offen zu liegen. In einem offenen Brief an die Mitarbeiter hatte Deutsche-Bank-Chef John Cryan ausdrücklich betont: "Die Deutsche Bank ist angesichts ihrer Kapitalstärke und ihrer Risikoposition absolut grundsolide." Mögliche Sorgen darüber, dass die Rückstellungen der Bank für Rechtsstreitigkeiten nicht ausreichen, seien unbegründet.
Finanzvorstand Marcus Schenck ergänzt: "Für 2016 erwarten wir, dass sich unsere Ausschüttungskapazität bei rund einer Milliarde Euro beläuft und somit mehr als ausreichend ist, um die AT1-Coupons von rund 350 Mio. Euro am 30. April 2016 zu bedienen". Im kommenden Jahr liegen die geschätzten Reserven laut Statement dank erwarteter Sondererlöse demnach sogar bei 4,3 Mrd. Euro. Immerhin war die Aktie der Deutschen Bank mit einem Minus von 9,5 Prozent zum Wochenstart der Tagesverlierer im Dax. Mit 13,82 Euro hatte sie noch nie so tief einen Börsentag beendet.
Einen potenziellen Grund für den massiven Abwärtstrend sehen die Marktbeobachter jedenfalls in den aktuellen Konjunktursorgen. So wirkt sich die schwächelnde Weltwirtschaft nun auch auf die deutsche Industrieproduktion aus. "Weltweit erleben wir eine Schwäche im Industriesektor", meint Aline Schuiling, leitende Volkswirtin bei der ABN Amro Bank in Amsterdam. Gerade Deutschland sei von den Geschehnissen in den Schwellenländern besonders stark betroffen.
Ähnlich schätzt auch Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank die derzeitige Situation an den Märkten ein. "Die Märkte treibt die Sorge vor Kreditausfällen in Schwellenländern und bei Unternehmen aus dem Rohstoffsektor. Dies könnte dann die ohnehin recht lahme Weltkonjunktur treffen und in einer Negativ-Spirale münden. Dazu kommt die Erkenntnis, dass die Notenbanken zwar ständig Geld, aber eben nicht auf Dauer Wachstum produzieren können. In den kommenden Wochen wird man sehen, ob sich die Weltwirtschaft von dem Misstrauen in den Finanzmärkten anstecken lässt. Bleibt die Wirtschaftsentwicklung einigermaßen stabil, dann werden auch die Finanzmärkte wieder nach oben korrigieren", betont Kater gegenüber VWheute.
Zudem belege die gegenwärtige Marktphase, "dass das Vertrauen von Wirtschaft und Finanzen auf ein nachhaltiges Wachstum und stabile Finanzen eben immer noch nicht wieder hergestellt ist". So habe "die Fed mit ihrer ersten Zinserhöhung versucht, wieder neues Vertrauen zu generieren, aber dies war nicht erfolgreich. Insgesamt werden die Notenbanken ihren Kurs der unterstützenden Interventionen nicht aufgeben können. Für alle Marktteilnehmer heißt dies, dass sich die Phase der Nullzinsen weiter fortsetzt. Das ist nicht nur für die Versicherer eine Fortsetzung des äußerst belastenden Kapitalmarktumfeldes", prognostiziert Kater.
So gehen die meisten Marktbeobachter davon aus, dass die Turbulenzen an den Börsen weiter anhalten werden. "Der Dax ist massiv ausverkauft, die Stimmung am Boden", konstatiert Daniel Saurenz von Feingold Research. Aber: "Rein stimmungstechnisch wäre eine Erholung Richtung 9.400 Punkte überfällig". Deutlich entspannter hingegen sieht Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise die aktuelle Entwicklung: "Es ist zwar auch im weiteren Verlauf des Jahres damit zu rechnen, dass die Kursausschläge sehr hoch bleiben. Aber vom jetzigen Niveau aus dürfte eine nachhaltige Kurserholung am deutschen Aktienmarkt anstehen." Zudem seien die Sorgen um eine Weltrezession übertrieben, ergänzt Heise. Dementsprechend sieht er den Dax zum Jahresende wieder bei etwa 11.000 Punkten. (vwh/td)
Bild: Thorben Wengert / pixelio.de
Allianz · Dax · Deka
Auch interessant
Zurück
19.02.2019VWheute
Ein Fall für die Versi­che­rung: Haus­ein­bruch kostet Barca-Spieler Boateng über 300.000 Euro Den Spielern des FC Barcelona droht Ungemach, wenn sie …
Ein Fall für die Versi­che­rung: Haus­ein­bruch kostet Barca-Spieler Boateng über 300.000 Euro
Den Spielern des FC Barcelona droht Ungemach, wenn sie in der Startaufstellung ihres Klubs auftauchen. Neu-Barca-Profi Kevin-Prince Boateng kann ein Lied davon singen. Denn während der …
23.01.2019VWheute
Lassen die Versi­cherer ihre Kunden bespit­zeln? Mit den "Versicherungsdetektiven" setzte der privaten TV-Sender RTL bereits vor einigen Jahren …
Lassen die Versi­cherer ihre Kunden bespit­zeln?
Mit den "Versicherungsdetektiven" setzte der privaten TV-Sender RTL bereits vor einigen Jahren auf ein neues Sendekonzept frei nach dem Motto: "Versicherer stellen böse Kunden an den Pranger". Ob die dort erzählten Fälle nun …
14.12.2018VWheute
Werbe­filme der Versi­cherer: "Passende Musik ist außer­or­dent­lich wichtig, wenn es um das Errei­chen von jungen Ziel­gruppen geht" Der Song …
Werbe­filme der Versi­cherer: "Passende Musik ist außer­or­dent­lich wichtig, wenn es um das Errei­chen von jungen Ziel­gruppen geht"
Der Song "Changing" von Paloma Faith liegt vielen immer noch im Ohr, auch wenn ihn kaum jemand der Interpretin zuordnet, sondern eher …
21.11.2018VWheute
"Vertriebs­struk­turen sind in keinem Fall digital, nicht nahe genug am Kunden und zu teuer" Welche Rolle spielt der Versicherungsvertrieb im …
"Vertriebs­struk­turen sind in keinem Fall digital, nicht nahe genug am Kunden und zu teuer"
Welche Rolle spielt der Versicherungsvertrieb im digitalen Zeitalter? "Ich glaube der Vertrieb wird sich maßgeblich verändern. Vertriebsstrukturen sind in keinem Fall digital, nicht …
Weiter