Schlaglicht

Tarife wie vom Fließband der Autobauer

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der technologische Fortschritt verlangt von der Assekuranz eine exponentielle Weiterentwicklung ihres Geschäftsmodells. "Wir sind einfach zu komplex, zu kompliziert, zu schwerfällig und im Endeffekt zu teuer", sagte Ralph Brand, Vorstandsvorsitzender der Zurich Gruppe Deutschland, auf dem SZ-Versicherungstag 2016. Mit der bisher "eher proportionalen Herangehensweise" werde man der wachsenden Herausforderung nicht gerecht.
Es reiche nicht aus, ein wenig an der Schadenbearbeitung, der Produktentwicklung oder dem Vertrieb zu feilen, so Brand. Er baut die deutsche Zurich seit 2014 "ganzheitlich" um. In die Digitalisierung steckt die Zurich in den nächsten fünf Jahren rund 200 Mio. Euro in der Sach- und 50 bis 60 Mio. Euro in der Lebensversicherung.
Wichtig ist Brand dabei die Kundenorientierung. "Diese ist in vielen Kunden doch mehr eine Absichtserklärung, wenn man hinter die Fassade schaut", so der Zurich-Chef. Eine solche Ausrichtung verlange die Umstellung von Multikanal zu Omnikanal. Die neue Produktwelt müsse mit Hilfe der Technologie modularer aufgesetzt werden - etwa so wie in der Kraftfahrtindustrie die Chassis." Nur mithilfe der vom Kunden selbst zu wählenden Bausteine gelange man zu Kosteneffizienz und zu Produkten, die den Kundenwünschen entsprächen.
Die Digitalisierung wird nach Einschätzung des Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann den stationäre Vertrieb nicht verdrängen. "Versicherungen bleiben hochgradig beratungsbedüftig". Dafür sorge schon allein die Politik. Auch künftig würden sich nicht alle "Produkte aus den Automaten ziehen" lassen.
Den Veränderungsprozessen will Leitermann vor allem mit mehr Qualität bei der Aus- und Weiterbildung begegnen. Denn dank Internet seien die Kunden immer besser vorinformiert, wenn sie sich beraten lassen. Dass Beratung zu teuer sein könne, lässt er so nicht gelten: "Das Problem sind nicht die Provisionen, sondern die Abschlusskosten, und das hängt an Prozessen und Strukturen. Wer viel in seine Ausbildung investiert und eine gute Beratung leistet, hat auch einen Anspruch darauf, das vergütet zu bekommen." (lie)
Bild: Ulrich Leitermann, Manfred J. Dirrheimer, Ralph Brand, Stephan C. Maier und Marcus S. Ryu (v.l.n.r.) (Quelle: lie)
Ulrich Leitermann · Ralph Brand
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