Schlaglicht

Finanzvertrieb im Umbruch

Von Tobias DanielTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Vertrieb von Finanzdienstleistungen wird sich in den kommenden Jahren drastisch verändern, prognostizierte das Marktforschungsinstitut GfK bereits im Juli 2013. Einen Grund sahen die Experten bereits damals u.a. in gesetzlichen Regulierungen und der Rolle des Internets. Das sich der Wandel verstärkt, zeigt nun auch eine neue Studie von Oliver Wyman. Die Folge: der Markt werde modularer und fragmentierter.
Entscheidende Gründe sehen die Experten vor allem in einem veränderten Kundenverhalten und in der zunehmenden Konkurrenz durch neue Anbieter sowie das Internet. So gibt es künftig keinen Exklusivanspruch mehr auf eine Kundenbeziehung, betonen die Experten. Kunden wählen mittels einfacher Online-Plattformen oder mobiler Apps zwischen einer Vielzahl von Anbietern aus. Auch auf Angebotsseite werde die Wertschöpfungskette nicht mehr von einem Unternehmen allein erarbeitet.
"Nach der Krise haben sich die meisten Finanzinstitute auf die Optimierung der bestehenden integrierten Geschäftsmodelle konzentriert. Jetzt bewegt sich der Finanzsektor hin zu einer neuen, modularen Struktur“, konstatiert Finja Carolin Kütz, Partnerin und Leiterin für das Beratungsgeschäft von Oliver Wyman in Deutschland und Österreich.
Dennoch scheint die Entwicklung recht unterschiedlich zu verlaufen: "Aktuell ist der Bankensektor in den USA zum Beispiel modularer aufgestellt als die Sektoren in Europa und Asien. In Europa ist Spanien einer der Vorreiter, während sich Deutschland eher im hinteren Mittelfeld der Entwicklung bewegt", ergänzt die Expertin (siehe DOSSIER).
Welche konkreten Auswirkungen dieser Wandel bereits hat, zeigen die Entwicklungen in der Automobilbranche. Automobilbanken haben erkannt, "dass umfangreiche Finanzdienstleistungen mehr Vorteile für die Hersteller bieten: Sie können den Kundenwert und den Ertrag pro Kunde steigern", sagt Philipp Grosse Kleimann, Partner bei Roland Berger (siehe MÄRKTE).
Reine Finanzierungsangebote waren gestern. Ein breiteres Geschäftsmodell ist die Zukunft. Profiteure des Wandels sind vor allem die Konsumenten. Sie können künftig aus einer größeren Bandbreite von Produktanbietern auswählen und profitieren gleichzeitig durch niedrigere Preise. (td)
Bildquelle: Bernd Kasper / pixelio.de
__________

Weitere Themen im Blick von VWheute:

Für ihren Einsatz plädieren die Versicherer seit Langem. Mithilfe von Dashcams – kleinen Videokameras, hinter der Windschutzscheibe – lässt sich bei vielen Unfällen die Schuldfrage schneller und einfacher klären. Ab kommenden Mittwoch diskutieren auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar Experten, wie der Datenschutz dabei eingehalten werden kann.
Die Deutsche Vermögensberatung AG darf ihren Vermittlern den Wechsel zu einem anderen Finanzvertrieb nicht unnötig erschweren. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat eine Klausel zum nachvertraglichen Wettbewerbsverbot gekippt. Die Richter sehen darin eine unangemessene Benachteiligung des Vermögensberaters.
Erneuter Schock aus Zurich: Die Sachversicherung wird – nach einer ersten Gewinnwarnung durch den Schaden von Tianjin – jetzt gar in die roten Zahlen geraten. Das vierte Quartal mit Herbststürmen in Großbritannien und in Irland wird den Versicherer vermutlich 275 Mio. Euro kosten. Hinzu kommen ein großer Schadenfall in der Kredit- und Kautionsversicherung sowie mehrere große Schäden im europäischen Unternehmensgeschäft.
Oliver Wyman · Roland Berger · Finja Carolin Kütz · Philipp Grosse Kleimann
Auch interessant
Zurück
18.06.2019VWheute
Führt die Block­chain zum Krieg oder zur besseren Welt? "Deutschland muss sich bei Blockchain nicht hinter Asien verstecken." Das sagte kürzlich …
Führt die Block­chain zum Krieg oder zur besseren Welt?
"Deutschland muss sich bei Blockchain nicht hinter Asien verstecken." Das sagte kürzlich Philipp Sandner, Head des Blockchain Center an der Frankfurt School of Finance & Management. Der Experte sieht die Entwicklung der …
26.03.2019VWheute
Philipp Gmür: "Neue Märkte haben wir nicht im Visier" Die Helvetia hat im vergangenen Geschäftsjahr mit guten Bilanzzahlen glänzen können. …
Philipp Gmür: "Neue Märkte haben wir nicht im Visier"
Die Helvetia hat im vergangenen Geschäftsjahr mit guten Bilanzzahlen glänzen können. Vorstandschef Philipp Gmür sieht sich daher "auf Kurs, unsere Finanzziele zu erreichen. Bei der Profitabilität, der Eigenkapitalrendite, der …
11.03.2019VWheute
Mythos Finleap: CCO Carolin Gabor über Ping An, Erfolg und steile Lern­kurven "Erfolg weckt Interesse", das ist in kurz die Erfolgsgeschichte von …
Mythos Finleap: CCO Carolin Gabor über Ping An, Erfolg und steile Lern­kurven
"Erfolg weckt Interesse", das ist in kurz die Erfolgsgeschichte von Finleap, erzählt von Carolin Gabor, Chief Commercial Officer beim Unternehmen aus Berlin. Die vorläufige letzte Sprosse auf der …
25.09.2018VWheute
AGCS-Manager Berger wird Chef des Swiss Re Firmen­kun­den­ge­schäfts Der schweizer Rückversicherer hat Andreas Berger zum CEO Corporate Solutions…
AGCS-Manager Berger wird Chef des Swiss Re Firmen­kun­den­ge­schäfts
Der schweizer Rückversicherer hat Andreas Berger zum CEO Corporate Solutions berufen. Der neue Mann kommt von Allianz Global Corporate & Specialty SE (AGCS) und war dort als Chief Regions & Markets …
Weiter