Märkte & Vertrieb

Lebensversicherer erneut am Pranger

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Deutsche Lebensversicherer sollen ihren Kunden systematisch und politisch gewollt Überschüsse vorenthalten, wie die Zeitschrift Finanztest in ihrer heute erschienenen Ausgabe schreibt. "90 Prozent der Zinsüberschüsse müssen die Konzerne an die Kunden weiterreichen. Vorher füllen sie jedoch ihre Reserve auf", lautet ein Vorwurf.
Zentrale Kritik entzündet sich gerade auch an der politischen Neugestaltung der Bewertungsreserven durch das LVRG. Seither müssen festverzinsliche Kapitalanlagen nicht mehr berücksichtigt werden. Wie sich das konkret auswirkt, will Finanztest an einem Beispiel eines Kunden der VPV zeigen: "2014 bezifferte sein Versicherer seinen Anteil an den Bewertungsreserven noch auf 3.493 Euro. Als dieser sein Geld ein Jahr später ausgezahlt bekam, waren es nur noch 1.449 Euro."
Die Zinszusatzreserve in der Lebensversicherung wird als weiteres von der Politik implementiertes Instrument angeführt, das zum Nachteil der Versicherten verwendet wird. "Kunden, deren Verträge ablaufen, bekommen auch deshalb weniger, weil die Versicherer immer größere Finanzpuffer aufbauen und die Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven drastisch beschnitten werden." Die Dividendensperre, die Aktionäre beschneiden soll, wenn bei Bewertungsreserven gekürzt wird, laufe aber ins Leere. Versicherer würden ihre Gewinne per Gewinnabführungsvertrag bei der Konzernmutter abliefern - und diese bediene dann die Aktionäre.
Die Überschussangaben zu Beginn des Vertrages würden sich bei älteren Verträgen zudem meist als Fehlschluss erweisen. Weiterer Vorwurf von Finanztest hier: Formulierungen zu den Überschussbeteiligungen hätten mitunter mit keinem Wort darauf schließen lassen, dass es sich nur um eine unverbindliche Angabe des Versicherers handelt. Einzelne Beispiele weisen so eine Differenz von in Aussicht gestellter Leistung zu tatsächlicher Leistung von mehr als 20.000 Euro auf.
Die Redaktion hatte Leser aufgerufen, ihre Verträge einzuschicken und 92 Einsendungen analysiert. (vwh/ku)
Bildquelle: Uschi Dreiucker/ pixelio
Lebensversicherung · Finanztest
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