Politik & Regulierung

Zinszusatzreserve verschlingt weitere zehn Milliarden

Von Christoph BaltzerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Bafin-Chef Felix Hufeld verteidigt die Zinszusatzreserve. Im vergangenen Jahr mussten die Lebensversicherer weitere zehn Milliarden Euro für Altverträge mit hohen Garantien zurücklegen. "Der Sinn dieses Instruments steht für mich nach wie vor außer Frage", sagte Hufeld gestern auf dem Neujahrsempfang der Bafin.
Die Lebensversicherer bleiben weiter die größte Sorge von Bafin-Chef Felix Hufeld. Er nahm gestern sein Dictum vom Mai 2015 auf und kündigte an, Lebensversicherer in Manndeckung zu nehmen. "Wenn die Aufsicht Unternehmen in die Manndeckung nimmt, heißt das vereinfacht, dass die Risiken größer sind als sie sein sollten."
Dem zu Jahresende veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank zufolge schafft fast jeder zweite Lebensversicherer Solvency II nur mit Hilfe von Übergangsmaßnahmen. "Die Übergangsmaßnahmen lösen das Problem nicht", warnte Hufeld gestern. "Sie schaffen lediglich Zeit, es zu lösen." Man werde diejenigen Lebensversicherer in Manndeckung nehmen, deren Leistungsfähigkeit auf mittlere Sicht Fragen aufwirft.
Den Forderungen nach Erleichterungen bei der Zinszusatzreserve begegnet Hufeld mit Zurückhaltung. "Wir brauchen diese Reserve." Ersten Schätzungen zufolge standen zum Jahresende gut 32 Mrd. Euro in diesen Rücklagen. Sie werden auch in den kommenden Jahren stark steigen. Weil darunter die Überschüsse in der klassischen Lebensversicherung leiden, geben immer mehr Lebensversicherer das klassische Geschäft auf, vollständig oder partiell. Hufeld betrachtet diese Entwicklung mit großem Interesse.
Gegenüber den Fintechs kündigte er eine härtere Gangart an. "Wir sind Aufseher und können diese Eigenschaft auch Fintechs gegenüber nicht ablegen", sagte Hufeld gestern. Kein Kuschelkurs also, aber unüberwindbaren Markteintrittsbarrieren will der Aufsichtschef für die digitalen Startups nicht errichten. "Es ist nicht unsere Aufgabe, alteingesessenen Unternehmen die junge Konkurrenz vom Hals zu schaffen." (ba)
Bild: Bafin-Präsident Felix Hufeld (Quelle: Frank Beer / Bafin)
BaFin · Felix Hufeld
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