Schlaglicht

"Mach mich glücklich" funktioniert nicht

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"Führung vor zehn Jahren ist nicht vergleichbar mit Führung von heute und schon gar nicht mit der von morgen", sagt Employability-Expertin Jutta Rump. Denn im Fokus stehen heute Motivation, Zufriedenheit und Gesundheit. Im Interview mit VWheute geht sie auch auf die Auswirkung der digitalen Beschleunigung auf die Management-Kultur ein.
VWheute: Wie wirkt sich die digitale Beschleunigung tatsächlich auf die Management-Kulturen aus? Ist es nur ein vorgeschobener Grund, um die gestiegenen Anforderungen für Unternehmen zu rechtfertigen oder eine reale Challenge an die Führung?
Jutta Rump: Die wenigsten haben die Fantasie, um korrekt einzuordnen, mit welchen Veränderungen die digitale Beschleunigung einhergeht. Der gesamte Mittelbau eines Versicherers, bestehend aus Sachbearbeitern und Versicherungskaufleuten, steht vor dem Umbruch. Für diese Tätigkeiten braucht man keine Menschen mehr. Selbst bei komplizierten Versicherungsfällen können Algorithmen programmiert werden, die Faktoren und Determinanten miteinander verknüpfen, sodass im Endeffekt ein funktionierender Wirtschaftungsprozess herauskommt. In einer solchen Logik kommt der Mensch nur dann ins Spiel, wenn etwas Neues passiert ...
VWheute: ... und was müssen die Entscheider der Versicherungskonzerne vor diesem Hintergrund besser machen?
Jutta Rump: Sie sollten stärker hinterfragen, ob diese Position in zehnn bis 15 Jahren überhaupt noch gebraucht wird, wenn sie traditionelle Ausbildungsprogramme starten. Ausbildungsinhalte müssen komplett neu überdacht und konzipiert werden. Diese Entwicklung hat Konsequenzen auf Mikroebene, den Arbeitsplatz, auf Mesoebene, Führung, Management, Strategie, und auf Makroebene, gesellschaftlich wie volkswirtschaftlich. Das ist eine wirkliche Challenge für die Unternehmensführung. Weil aber keiner konkretes Wissen darüber hat, wie Digitalisierung auszusehen hat, stochern alle ein bisschen im Nebel.
VWheute: Welche Aufgabe kommt heute den Human Resources Abteilungen der Unternehmen zu? Agieren sie noch immer zu administrativ?
Jutta Rump: Führung und HR müssen zu einem erfolgskritischen Faktor werden. Wenn ein Umdenken in der Personalarbeit nicht stattfindet, kann es für die Unternehmen zu einer existenziellen Bedrohung werden. In den letzten 25 Jahren hat sich im HR-Bereich sehr viel bewegt. Mittlerweile ist die Unternehmenslandschaft in drei Gruppen geteilt. Ein Drittel will Führungskräfte langfristiger entwickeln. Bei dem zweiten Drittel ist das Thema angekommen, doch man hängt noch stark in alten Strukturen fest. Das dritte Drittel befindet sich weiterhin in seiner Verwaltungslogik.
VWheute: Glückliches und wettbewerbsfähiges Personal ist die Idealvorstellung einer gelungenen Führungskultur. Wie lassen sich beide Komponenten miteinander verbinden?
Jutta Rump: Ein Unternehmen kann einen Menschen nicht glücklich machen. Glück ist ein Zustand der inneren Zufriedenheit und eine persönliche Sache. Man kann aber Rahmenbedingungen schaffen, in denen sich das Personal wohl fühlt. Einer Führungskraft zu sagen „Mach mich glücklich“ funktioniert nicht. Vielmehr muss über Motivation, Zufriedenheit und Gesundheit gesprochen werden. Dieses magische Dreieck schafft Orientierung für die typische Personalarbeit.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Michael Stanczyk.
Bild: Jutta Rump ist Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability an der Hochschule Ludwigshafen. (Quelle: Inqa)
Ausführliches Interview: „Bei Geschäftsprozessen sind deutsche Manager Weltmeister“. Jutta Rump über Schwächen und Stärken der Führungsmethoden am Versicherungsstandort D, in VW 01/16 (zum Einzelbeitrag)
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