Versicherungswirtschaft 02/2020

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Gewicht: 250 g

, 02/2020


Preis: 22.00 EUR

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Mord, Lust und Versicherung

Welchen Beruf hat ein unauffälliger Durchschnittstyp? Die Macher des Films „Die Truman Show“ mit Jim Carrey wählten dazu einen Versicherungsangestellter. Ansonsten hat die intelligente Satire eigentlich nichts mit der Assekuranz zu tun. Ebenso wenig wie Bud Spencers Rolle als Hutch Bessy im Italo-Western „Gott vergibt… Django nie!“Andere Filme tauchten indes tiefer in die Versicherungsmaterie ein – mal mehr, mal weniger realistisch:
Kleinkarierte Zahlendenke: „Ich bin von Beruf Risk Manager. Ich weiß, dass eine 0,013%ige Wahrscheinlichkeit besteht, dass ich auf dem Nachhauseweg von einem Auto angefahren werde, oder dass eine Chance von 1:46.000 besteht, durch ein U-Bahn-Gitter zu fallen,“sagt Ben Stiller in der Rolle als Reuben Feffer.
Kleinkarierte Zahlendenke: „Ich bin von Beruf Risk Manager. Ich weiß, dass eine 0,013%ige Wahrscheinlichkeit besteht, dass ich auf dem Nachhauseweg von einem Auto angefahren werde, oder dass eine Chance von 1:46.000 besteht, durch ein U-Bahn-Gitter zu fallen,“sagt Ben Stiller in der Rolle als Reuben Feffer.Quelle: S L.a.g.h.a.r.i / flickr

Kafka (1991)

Werk und Person sollte man bei Franz Kafka nie durcheinandermischen. Regisseur Steven Sonderbergh hat das bewusst gemacht und noch vieles mehr hinzugedichtet. Oscarpreisträger Jeremey Irons spielt Kafka, der als Angestellter in einer Arbeiterunfallversicherung arbeitet, aus Langeweile dämonische Geschichten verfasst und schließlich auf eigene Faust 1919 in Prag einem verschwundenen Arbeitskollegen nachspürt. Seine Suche führt ihn in ein örtliches Schloss, wo ein gewisser Dr. Murnau (Anspielung auf den bedeutenden Nosferatu-Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau) mit den Gehirnen seiner Opfer experimentiert. Der durchgehend schwarz-weiße Thriller im Stil des expressionistischen Kinos floppte an den Kinokassen. Als Independentfilm war der Film auch nicht für die Massen gedacht. Das traf eher auf Sonderberghs spätere Gaunerkomödie Ocean’s Eleven (2001) zu. Neben der Hauptfigur sind die eher unscheinbaren Nebenrollen allesamt hochkarätig besetzt, die Handlung halbwegs spannend und streckenweise verrückt. Wer eine Kafka-Biografie erwartet, wird enttäuscht. Um alle Dialoge deuten zu können, sollte man allerdings Kafkas Werke im Ansatz kennen. Ein Beispiel: „Woran arbeiten Sie gerade?“ - wird Kafka gefragt. Seine Antwort: „An einer Sache, wo ein Mann aufwacht und sich in ein Insekt verwandelt hat.“

Und dann kam Polly (2004)

Jeder kennt wohl diese Situation: „Ich hab grad geschurzt! Ich wollte furzen, da kam ‚n bisschen Scheiße mit raus“– Fäkalhumor ist traditonell ein wesentlicher Bestandteil in den Filmen, in denen der Komiker Ben Stiller mitspielt. Wer nicht mehr erwartet, wird bei „Und dann kam Polly“ auch nicht enttäuscht. Denn Stiller spielt einen ähnlichen Charakter wie in „Verrückt nach Mary“ oder „Meine Braut, ihr Vater und ich“. Die Handlung ist simpel: Stiller ist Reuben Feffer, ein zwanghaft ängstlicher Stadtneurotiker, der als Risikoanalyst einer Versicherungsfirma auch alle privaten Entscheidungen in seinem Leben nach Risikostatistiken trifft. Nachdem seine Ehefrau ihn bereits in den Flitterwochen betrügt, verliebt er sich in seine ehmalige Schulfreundin Polly, gespielt von Jennifer Aniston, die als Hippie-Braut wagemutig durchs Leben geht und neue Sachen ausprobiert.  Dazu zählt Salsa Tanzen oder marokkanisches Essen. Stiller kann weder Tanzen noch verträgt er scharfes Essen – aber macht bei all dem mit, was zu vielen Klamaukszenen führt. Am Ende muss sich Feffer zwischen Polly und seiner Ex-Frau entscheiden. Dafür fragt er kurzerhand sein Programm zum Risikomanagement. Abseits der Romanze benutzt er dieses Tool um herauszufinden, ob seine Firma einem waghalsigen Milliardär eine Lebensversicherung verkaufen soll. Sehenswert ist der kurzweilige Film allein schon durch die Sprüche von dem viel zu früh verstorbenen Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman, der Feffers besten Freund spielt. Erkenntnis für Versicherungsmanager: Kein Leben ohne Risiko. Und lassen Sie die Finger von den Nüssen in der Bar. „Sagen wir, vorsichtig geschätzt, siebzehn Menschen greifen jeden Abend in diese Schale, okay? Die Nüsse stehen hier zwei Wochen, dann sind das 238 Menschen, die ihre schmutzigen Finger da reingesteckt haben“, erkärt Risk Manager Reuben Feffer. - „Die sind schmutzig? Wie kommst du denn jetzt darauf?“ - „Im Durchschnitt wäscht sich nur einer von sechs Menschen die Hände, wenn er auf der Toilette war. Tja, da denkt man, man isst ganz harmlosen Knabberkram, in Wirklichkeit nimmt man tödliche Bakterien von etwa 39 schmutzfingrigen Fremden zu sich!“
Oscarreife Leistung: Sieben Mal nominiert, aber keine Auszeichnung bei der Verleihung 1945 für Double Idemnity.
Oscarreife Leistung: Sieben Mal nominiert, aber keine Auszeichnung bei der Verleihung 1945 für Double Idemnity.Quelle: Leah / flickr

Double Idemnity (1944)

Der Film basiert auf dem Roman „Doppelte Abfindung“ von James M. Cain aus dem Jahre 1935. Weil die Figuren zu zynisch und unmoralisch waren, galt die Geschichte lange als unverfilmbar. Schließlich brauchte es den Meisterregisseur Billy Wilder, der den Stoff zum wichtigsten Klassiker des Film noirs machte. Barbara Stanwyck spielt die manipulative und skrupellose Phyllis Dietrichson, die ohne das Wissen ihres Mannes eine Lebensversicherung in seinem Namen abschließt, mit dem Plan ihn zu ermorden und die Versicherungssumme zu kassieren. Als Femme fatale überzeugt sie den Versicherungsvertreter Walter Neff (Fred MacMurray), den Plan in die Tat umzusetzen. Derartige Rollen waren im damaligen Mainstreamkino Hollywoods sehr ungewöhnlich – vor allem ein so modernes und emanzipiertes Frauenbild während des Zweiten Weltkrieges. Um ihre Falschheit zu verdeutlichen, trug Stanwyck den Film über eine blonde Perücke. Regisseur Wilder war im Verlauf der Dreharbeiten aber zunehmend unzufrieden mit der Idee. Da bereits etliche Szenen gedreht waren, konnte man sich eine Änderung der Haartracht nicht leisten. Die Mühe hat sich dennoch gelohnt: In sieben Kategorien wurde der Film bei der Oscar-Verleihung 1945 nominiert, gewinnen konnte er keinen. In Deutschland erschien der Film unter den Namen: „Frau ohne Gewissen“, und macht neben dem spannenden Plot vor allem durch seine haarscharf geschliffenen Dialoge viel Spaß. Das American Film Institute stuft den Streifen auf Platz 29. der besten Filme aller Zeiten ein.
Versicherer unterschätzt idealistischen Juristen: „Was ist der Unterschied zwischen einem Anwalt und einer Prostituierten? Die Prostituierte hört auf dich auszunehmen, wenn du tot bist“, sinniert Matt Damon als junger Anwalt über das US-Rechtssystem.
Versicherer unterschätzt idealistischen Juristen: „Was ist der Unterschied zwischen einem Anwalt und einer Prostituierten? Die Prostituierte hört auf dich auszunehmen, wenn du tot bist“, sinniert Matt Damon als junger Anwalt über das US-Rechtssystem.Quelle: picture alliance/United Archives

Der Regenmacher (1997)

Man nimmt das Skript des besten Autors von Kriminalbüchern, John Grisham, und einen der bedeutendsten Filmregisseure der Geschichte, Francis Ford Coppola, und besetzt den Streifen mit all den Stars, die die 90er-Jahre zu bieten  hatten (Matt Damon, Danny DeVito, Danny Glover, Jon Voight, Claire Danes und Mickey Rourke). Herauskommt ein sehenswerter Gerichts-Thriller, der jedoch in Teilen sehr klischeebeladen ist, weil es den so oft erzählten Kampf zwischen David und Goliath zeigt. Der junge Anwalt Rudy Baylor (Matt Damon) zieht gegen einen Versicherer vor Gericht, der einem an Leukämie erkrankten Jungen die Knochenmarktransplantion nicht bezahlen will. Im Laufe des Verfahrens zeigt sich u.a., dass der angeklagte Versicherer im Grunde jeden Kundenanspruch zurückwies, solange kein Gerichtsprozess drohte. Die Jury verhängt schließlich eine Strafzahlung von 50 Mio. Dollar über die Versicherungsgesellschaft, das höchste derartige Urteil in Memphis, weshalb Rudy Baylor als Regenmacher bezeichnet wird. Das Unternehmen meldet jedoch kurze Zeit später Insolvenz an, auch weil Geld von der Firmenspitze unterschlagen wurde damit sie sich Strafzahlungen entziehen kann. Am Ende stehen alle Seiten mit leeren Händen da – eine ernüchternde und durchaus zynische Abrechnung mit dem amerikanischen Rechtssystem.
Mit viel Liebe zum Detail erzählt Coppola in zweieinhalb Stunden den Grisham-Stoff. Der Buchautor sagte später, dass es wohl die beste Verfilmung seiner vielen Werke sei. Was im seitenreichen Buch funktioniert, ist jedoch für die Spannungskurve im Film nicht immer förderlich. Zu viele Charaktere mit vielen Nebenhandlungen stören den Erzählfluss. Unverzichtbar ist indes Danny DeVito, der den tolpatschigen Anwaltsassistenten Deck Shifflet mimt und einige komödiantische Einlagen mitbringt.

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