Erschienen in Ausgabe 2-2020Trends & Innovationen

Versicherer bremsen beim Tempolimit

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Die Begrenzung von Geschwindigkeit auf deutschen Straßen ist ein Reizthema. Wohl vernünftig, aber sehr unpopulär beim Durchschnittsbürger und der Autoindustrie. Im Jahr 2018 sind laut Statistischem Bundesamt bei Unfällen auf deutschen Autobahnen 424 Menschen ums Leben gekommen. Auf Abschnitten ohne Tempolimit war unangepasste Geschwindigkeit bei 45 Prozent der Verkehrstoten eine Unfallursache (135 von 301 Unfalltoten). Höhere Geschwindigkeit = längerer Bremsweg = mehr Schaden beim Aufprall. So einfach ist es dann wohl doch nicht. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) regt an, dass die Zusammenhänge möglichst bald genauer in einem wissenschaftlichen Gutachten erforscht werden sollten. Nur selten wollen sich einzelne Kfz-Versicherer auf Anfrage zu diesem Thema äußern. Die VHV positioniert sich eindeutig: „Ein generelles Tempolimit ist aus unserer Sicht als Kfz-Versicherer sinnvoll. Dass ein Tempolimit zum Klimaschutz beitragen würde, ist aufgrund eines niedrigeren CO2-Ausstoßes unbestritten.“ Für die DEVK ist ein Tempolimit ebenfalls in erster Linie aus Umweltgründen „hilfreich“. Für Axa ist es „nur eine mögliche Maßnahme, um den Verkehr der Zukunft sicherer und umweltfreundlicher zu gestalten.“ Andere große Kfz-Versicherer verweisen auf den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Ähnlich wie die Polizei schlägt dieser einen Praxistest vor. „Tatsächlich führen geringere Geschwindigkeiten zu kürzeren Anhaltewegen und zu einer geringeren kinetischen Energie. Das heißt aber nicht, dass sie auch immer zu weniger Unfällen führen. Es ist bereits nachgewiesen, dass in Deutschland die Unfallbelastung in Autobahnbaustellenabschnitten (Geschwindigkeit 80 oder 60) höher liegt, als auf freier Strecke“, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung beim GDV.