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Erschienen in Ausgabe 2-2020Schlaglicht

Zustand stabil

Die Private Krankenversicherung hat 2019 an Attraktivität gewonnen. Nach Erkenntnissen des Branchenverbandes sind im letzten Jahr netto zum zweiten Mal in Folge mehr Menschen aus der Gesetzlichen Krankenversicherung gewechselt. Man spricht von einer Trendwende. Doch wie nachhaltig ist sie und wie steht es um die Stabilität der Beiträge?

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Zwischen 2012 und 2017 war der Wanderungssaldo der Vollkostenversicherung für die PKV noch deutlich negativ. Nach bisherigen Hochrechnungen des Verbandes indes soll sich die aktuell positive Wanderungsbewegung „2019 weiter verstärkt“ haben. 2018 wurden von den gesetzlichen Kassen erstmals wieder rund 2.000 Personen mehr gewonnen als an diese abgegeben. „Die PKV hat also nach einigen schwächeren Jahren ganz offenbar die Trendwende geschafft“, so Dr. Florian Reuther, Geschäftsführer des PKV-Verbandes. Um den stetigen Schrumpfungsprozess umzudrehen oder zumindest zu verlangsamen, bedürfte es aber eines positiven Saldos in fünfstelliger Größenordnung. Denn die PKV-Unternehmen leiden stärker als die GKV unter dem demografischen Trend – sprich: dem altersbedingten Abgang durch Tod, der nicht durch entsprechende Geburten ausgeglichen wird. So schrumpfte die Zahl der Vollversicherten zwischen 2011 und 2018 kontinuierlich von 8,98 auf 8,74 Millionen. Den Wanderungssaldo bestimmen nicht nur wirtschaftliche Faktoren wie die Entwicklung der Einkommen oder die für 2020 auf 62.550 (60.750) Euro Jahresbruttoeinkommen erneut angehobenen Versicherungspflichtgrenze, sondern auch sogenannte weiche – etwa „die Angst, den Krankenversicherungsschutz in Alter nicht mehr zahlen zu können.“ Die Stabilität der Beiträge – wenn auch nicht eine absolute, so doch zumindest eine relative im Verhältnis zu den sonstigen allgemeinen Preissteigerungen – ist daher im Verkauf ein wichtiges Kriterium.

WIP erwartet durchschnittliche Beitragsanpassungen von 2,8 Prozent

Nach einigen Jahren mit besonders vielen Negativ-Schlagzeilen zu drastischen Beitragsanpassungen (BAP) blieb es zuletzt ruhig. Das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) hatte im November 2019 in einer Kurzanalyse einen Anstieg der PKV-Beiträge um durchschnittlich 2,8 Prozent prognostiziert. Gegenüber der Welt am Sonntag sagte der PKV-Verband, dass knapp die Hälfte der Versicherten 2019 von BAPs betroffen sei. Dort wurden die durchschnittlichen Verteuerungen „im niedrigen einstelligen Prozentbereich“ veranschlagt. Eine kurze Umfrage dieser Zeitung unter den zehngrößten PKV-Unternehmen scheint dies zu belegen. Die Angaben in der Tabelle klammern Erhöhungen der Pflegepflichtversicherung aus. Natürlich sind die Durchschnittswerte nur bedingt aussagefähig, da die Verteuerungen nicht alle Tarife eines Versicherers in gleichem Maße betreffen, weshalb einige Kunden deutlich mehr zahlen müssen, während sich für andere nichts ändert oder…