Abbildung: Funktionale Bausteine entlang des IFRS 17 Gesamtprozesses - Illustrative Darstellung
Abbildung: Funktionale Bausteine entlang des IFRS 17 Gesamtprozesses - Illustrative DarstellungQuelle: Deloitte
Erschienen in Ausgabe 2-2020Politik & Regulierung

Über einen Abgrund kommt man nicht mit zwei kleinen Sprüngen

Der Umbau des IT-Systems im Rahmen des IFRS 17

Von Dr. Igor UllrichVersicherungswirtschaft

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Der Rechnungslegungsstandard IFRS 17, der die Darstellung von Finanzkennzahlen für Versicherungsverträge neu ordnet, ist eine der weitreichendsten regulatorischen Vorschriften der vergangenen Jahrzehnte. Seine Auswirkung wird die Versicherungswelt noch weit über den 01.01.2022, den Zeitpunkt der voraussichtlichen verpflichtenden Erstanwendung, hinaus beschäftigen. Denn inzwischen hat sich in den ersten Phasen der IFRS 17-Projekte bestätigt, was viele schon vermutet hatten: Um die Unternehmenskennzahlen im Finanzwesen am Ende des Geschäftsjahres gemäß den IFRS 17-Vorgaben darzustellen, sind weitreichende Veränderungen im gesamten Versicherungsunternehmen notwendig.
Man benötigt neue Prozesse, Zusammenarbeitsmodelle, Denkweisen und eine riesige Menge an neuen Daten. Für einen Projekterfolg müssen die für die jeweilige Versicherung optimalen Entscheidungen im Hinblick auf Bewertungsansätze, Datengranularität und Überleitungsrechnungen getroffen und nicht zuletzt eine gewisse Flexibilität für eine mögliche spätere Erweiterung der Geschäftszahlen eingeplant werden. Und damit nicht genug: Da heutzutage kein Prozess mehr ohne IT-Unterstützung läuft, sind auch zahlreiche IT-Systeme umzustrukturieren oder sogar neu zu entwickeln, zu testen und live zu setzen. Allein die IT-Architekturfrage ist hochkomplex und voraussichtlich nicht vollständig bis zum 01.01.2022 zu lösen: Welches IT-System soll die IFRS 17- Ergebnisse berechnen? Wie wird dieses System an automatisch zuliefernde Systeme angebunden? An welches System werden die Ergebnisse zur automatischen Auswertung und Buchung weitergegeben? Und welches Steuerungssystem orchestriert alle IT-Systeme, um möglichst ineinandergreifende, automatische Prozessabläufe zu gewährleisten? Aber wo ein Umbau stattfindet, ist auch eine Chance. IFRS 17 kommt zwar mit einer impliziten Verpflichtung, die Datengranularität zu erhöhen. Wer jedoch weitsichtig denkt, macht aus der Not eine Tugend. Denn eine passende Datengranularität kann zu mehr dienen, als nur der IFRS 17- Compliance. Richtig implementiert kann die passende Datengranularität die Qualität der Daten und des Systems verbessern und das daraus resultierende Wissen – über Kundenpräferenzen, Profitabilität von Produkten, Wirksamkeit von Marketingkanälen und vielem mehr – der entscheidende Faktor für das Versicherungsgeschäft der Zukunft sein.
Ein Versicherungsunternehmen zu dieser profitabel nutzbaren Qualität zu führen, setzt eine nicht geringe Investition in neue Prozesse…