„Value for Money“: Eine Stärkung der Primärversorgung könnte teure stationäre Krankenhausaufenthalte verhindern und die Versorgungsqualität erhöhen.
„Value for Money“: Eine Stärkung der Primärversorgung könnte teure stationäre Krankenhausaufenthalte verhindern und die Versorgungsqualität erhöhen.Quelle: Parentingupstream/ Pixabay 
Erschienen in Ausgabe 2-2020Schlaglicht

Stets bemüht

Das deutsche Gesundheitssystem im internationalen Vergleich

Von Michael MüllerVersicherungswirtschaft

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Viele Aspekte des Gesundheitszustandes der Deutschen haben sich in den letzten Jahrzehnten stetig verbessert. So ist beispielsweise die Lebenserwartung bei Geburt seit 1970 um mehr als 10 Jahre gestiegen und bei den allermeisten Krebsdiagnosen haben sich die Überlebenschancen in den letzten 15 Jahren erhöht. Wie viele andere OECD-Staaten steht allerdings auch Deutschland vor der Herausforderung, die Finanzierbarkeit einer qualitativ hochwertigen und umfassenden Gesundheitsversorgung langfristig sicherzustellen. Nicht zuletzt, weil sich der demografische Wandel und der damit einhergehende Anstieg chronischer Erkrankungen bei gleichzeitig zu erwartendem Rückgang des Gesundheitspersonals auf das System auswirken wird. Vor diesem Hintergrund soll dieser Beitrag helfen, die momentane „Performance“ des deutschen Gesundheitssystems international einzuordnen.

Unter allen OECD-Ländern geben die Deutschen besonders viel für Gesundheit aus. Im Jahr 2018 waren es 11,2 Prozent des BIP. Mehr wendeten nur die Vereinigten Staaten (16,9%) und die Schweiz (12,2%) auf. Zum Vergleich: Im Durchschnitt der 36 OECD-Staaten liegt der Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP bei 8,8 Prozent. Ein großer Teil dieser Ausgaben wird von staatlichen Programmen und öffentlichen oder privaten Pflichtversicherungen getragen. Diese Ausgabenträger finanzieren in Deutschland rund 84 Prozent aller Kosten, mehr als im Durchschnitt der OECD (74%). Die privaten Haushalte tragen 13 Prozent und damit weit weniger als im OECD-Schnitt von 21 Prozent. Auch der Finanzierungsanteil der freiwilligen privaten Krankenversicherung liegt mit 1 Prozent in Deutschland unter dem OECD-Schnitt von 4 Prozent.

Zu den Besonderheiten des deutschen Gesundheitswesens gehört die „Systemdualität“ zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung für „primären“, verpflichtenden Versicherungsschutz. Knapp 11 Prozent der deutschen Bevölkerung sind bei einem Unternehmen der privaten Krankenversicherung vollversichert. Unter den OECD-Staaten hat nur Chile ein vergleichbares System, in dem sich Personen dafür entscheiden können, die gesetzliche (staatliche) Krankenversicherung zu verlassen und stattdessen einen Versicherungsvertrag bei einem privaten Versicherer abzuschließen. Als Zusatzversicherung zu Leistungen staatlicher Finanzierungssysteme spielen private Krankenversicherungen aber auch in vielen anderen Staaten eine Rolle. In Frankreich hat zum Beispiel fast die gesamte Bevölkerung (96%) zusätzlich zum staatlichen…