Erschienen in Ausgabe 2-2020Märkte & Vertrieb

Schon lange kein Kavaliersdelikt mehr

Versicherer müssen die Bedrohung durch Finanzkriminalität besser verstehen

Von Cate WrightVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Finanzkriminalität hat aus Sicht von Versicherungsunternehmen viele Facetten. Sie haben es sowohl mit klassischem Versicherungsbetrug zu tun, aber sie sind auch Cyberangriffen ausgesetzt. Sie werden Opfer Organisierter Kriminalität, werden aber auch von Versicherungsnehmern geschädigt, die Leistungen zu Unrecht beanspruchen. Die Bedrohung kann sowohl aus dem Unternehmen selbst als auch von außen kommen. Häufig handelt es sich jedoch um verschiedene Elemente desselben Verbrechens. Ein Angreifer kann Daten bei einem Cyberangriff stehlen und die Informationen dann verwenden, um mithilfe eines Insiders die Betrugsprüfungen zu umgehen. Um sich gegen diese Bedrohung zu wehren, müssen die Versicherer die Motive ihrer Feinde besser verstehen. Dann können sie sich auch besser gegen Angriffe wehren.

Schwachstellen identifizieren und den Feind erkennen

Die Versicherer müssen herausfinden, wo und warum Betrüger am ehesten zuschlagen. Jeder Berührungspunkt kann eine Schwachstelle sein – sei es beim Vertragsabschluss, bei der Vertragsanpassung, bei einem Schadensfall oder beim Kontakt mit Dienstleistern und Partnern. Für Betrüger ist eine unzureichend geschützte Lieferkette besonders attraktiv. Dem Global Profiles of the Fraudster 2016-Bericht des Beratungsunternehmens KPMG zufolge, der auf 750 Betrugsfällen basiert, waren schwache interne Kontrollen in drei Fünftel der Fälle für den Betrug mit verantwortlich. Solche Schwachstellen werden rücksichtslos ausgenutzt, häufig von Insidern. Schwachstellen in Lieferketten sind unvermeidbar, aber es ist möglich, diese Schwachstellen zu überwachen. Einige Versicherer setzen für die Prüfung und Verwaltung von Dienstleistern Betrugsmanager ein. Sie verwenden Datenanalysen, um herauszufinden, ob die an der Schadensregulierung Beteiligten in irgendeiner Weise miteinander in Verbindung stehen.
Der Forschungsstand hinsichtlich der Täterprofile ist dürftig. Aber es gibt Hinweise, die den Versicherern helfen, das Feld einzugrenzen und die Täterprofile der wichtigsten Tätergruppen näher zu bestimmen. Im Global Profiles of the Fraudster-Bericht stellte KPMG fest, dass 79 Prozent der Betrüger männlich waren, 68 Prozent waren zwischen 36 und 55 Jahre alt, 65 Prozent waren Mitarbeiter des geschädigten Unternehmens und weitere 21 Prozent waren ehemalige Mitarbeiter. Ein weiteres interessantes Ergebnis: Versicherungsbetrug wurde fast doppelt so häufig von Gruppen als von Einzelpersonen begangen.

Die Motive der Betrüger

Was wissen wir über die…