Erschienen in Ausgabe 2-2020Trends & Innovationen

Gesellschaftliche Legitimation

Von Dr. Dirk SolteVersicherungswirtschaft

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Alle Top-Risiken sind grün. Wie jedes Jahr veröffentlicht das World Economic Forum einen globalen Risiko Report, der maßgeblich von einem Unternehmen der Versicherungsbranche mitverfasst wird. Analysiert werden Wahrscheinlichkeit und Impact von Bedrohungen in den farbig markierten Bereichen Ökonomie, Umwelt, Geopolitik, Gesellschaft und Technologie. Die wahrscheinlichste Verwirklichung wird bei Extremwetterereignissen, dem Versagen im Klimaschutz, Naturkatastrophen, dem stetigen Verlust von Biodiversität und menschenbedingten Umweltkatastrophen gesehen. Die Auswirkungen eines Versagens im Klimaschutz übertreffen sogar die Befürchtungen bei einem Einsatz von Massenvernichtungswaffen. Ist das ein „Greta-Effekt“? Mitnichten. Bereits vor zehn Jahren tauchten „grüne“ Risiken, die Farbe für Umwelt, in den Top-5 auf und sind seitdem immer dominanter vertreten. Das bedeutet nicht, das die Gefahren in den anderen Sektoren geringer geworden sind. So erhöhen die gestiegene Lebenserwartung, geänderter Lifestyle und der Klimawandel nach Ansicht der Experten den Druck auf das Gesundheitssystem. Es bedarf hoher Investitionen in neue Infrastrukturen und den Aufbau von Ressourcen und Skills, um wieder fit zu werden, um den Zweck zu erfüllen, so die Diagnose. In der IT liegen große Potenziale, im Positiven, wie im Negativen. Datenkriminalität und Cyberattacken nehmen Spitzenplätze in der Gefahrenbewertung ein. Themen, die auch die Branche umtreibt.
Der Risikoregenbogen bedroht die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität. Wer die globale Situation verfolgt, das Säbelrasseln, Exit- und Abschottungsströmungen, die gesellschaftlichen und politischen Tendenzen weg von der Mitte, wird dem wohl zustimmen. Was ist zu tun und von wem? Wenn das Gesamtproblem einfach wäre, hätten wir es sicher schon gelöst. Der Executive des Forums sieht einen „besseren“ Kapitalismus als wichtigen Teil einer Lösung an, in der sich besonders die großen Unternehmen ihrer stakeholder Rolle einer gemeinsamen Zukunft bewusst werden müssen. Umdenken. Fair die Steuern zahlen, keine Korruption, die Menschenrechte achten, sich für eine gerechte Ordnung, ein level-playing field einsetzen, so einige Kernpunkte des neuen „Davoser Manifests 2020“. Bedarf es dafür ein Umdenken, einer Disruption? In meiner Interpretation ist es ein Aufruf, sich zu einer stabilisierenden sozialen Marktwirtschaft zu bekennen, die auch die Umweltaspekte einbezieht. In diesem Rahmen operierendes Unternehmertum kann auf…