Kapitalgeber benötigt: Jungunternehmer buhlen in der TV-Sendung "Die Höhle der Löwen" um die Gunst der Investoren. TVNOW  Bernd-Michael Maurer
Kapitalgeber benötigt: Jungunternehmer buhlen in der TV-Sendung "Die Höhle der Löwen" um die Gunst der Investoren. TVNOW  Bernd-Michael MaurerQuelle: TVNOW  Bernd-Michael Maurer
Erschienen in Ausgabe 2-2020Politik & Regulierung

Die Höhle der Versicherungslöwen

Deutschlands digitale Versicherungsbranche wächst. Immer mehr Insurtechs können sich im Markt behaupten –auch gegenüber den „großen Playern“. Sei es als Versicherungs-App für Verbraucher, in Form digitaler Rückversicherungslösungen oder als Insurance-as-a-Service Plattform. Grund genug sich mit der Strukturierung von Investments in Insurtech-Unternehmen in der Praxis auseinanderzusetzen.

Von Dr. Thomas Broichhausen und Dr. Frederik WinterVersicherungswirtschaft

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Rund 130 Insurtech-Unternehmen mit den verschiedensten Geschäftsmodellen entlang der gesamten Wertschöpfungskette eines Versicherungsverhältnisses agieren derzeit auf dem deutschen Markt. Über 173 Millionen US-Dollar wurden 2018 in Deutschland in den digitalen Versicherungsmarkt investiert. 2019 verkündete allein das Insurtech-Start-up Wefox eine Finanzierunsgrunde über 110 Millionen Euro. Auch viele etablierte Versicherungsunternehmen haben sich in den letzten Jahren vermehrt zu Investments im Bereich Insurtech entschieden (Corporate Venture Capital). So erhöhte im Herbst 2019 beispielsweise die Allianz X ihr Fondsvolumen auf eine Milliarde Euro, im Portfolio befindet sich bisher aus dem Insurtech-Sektor unter anderem der Berliner digitale Produktversicherer Simplesurance. Und Munich Re hat im Oktober 2019 bekannt gegeben, über ihre Start-up Investment Tochter Munich Re Ventures weitere 250 Millionen US-Dollar in das US-amerikanische Insurtech Next zu investieren.

Interessen und typische „Venture Capital“ Ausgangslage

Viele Besonderheiten erklären sich im Kern aus der spezifischen Interessenlage zwischen den Investoren einerseits und den Gründern andererseits sowie der Tatsache, dass es sich bei den Insurtech Unternehmen durchwegs um „junge“ Unternehmen ohne etablierte Unternehmens- bzw. Wachstumshistorie handelt: Die Interessenlage auf Investorenseite kann im Ausgangspunkt vielfältig sein und von einer reinen Finanzbeteiligung bis hin zu einem strategischem Investment reichen. Letzteres offensichtlich insbesondere bei Corporate Venture Capital Investoren aus dem Versicherungssektor, welche oftmals den (mittelbaren) Markteintritt in eine junge Branche sowie der Zugang zu digitalen Innovationen und hieraus wachsenden neuen Geschäftsmodellen („Window on Technology“) in den Fokus rücken. Teilweise erweist sich die Beteiligung an einem Insurtech in diesem Zusammenhang auch als die agilere Lösung im Vergleich zum Aufbau einer eigenen Abteilung im Konzern.

Aus Sicht der Gründer dominiert zumeist das (natürliche) Interesse, „ihr“ eigenes Insurtech erfolgreich zu machen. Dabei steht oftmals weniger die reine (Anschub-)Finanzierung im Vordergrund, vielmehr ist das „Teaming“ mit Unternehmen oder Investoren, die bereits eine starke Markstellung innehaben, die jahrelanges Know-how mitbringen und über wertvolle Beziehungen verfügen, für die Gründer von nicht zu unterschätzendem Wert, auch im Hinblick auf Image und Bonität des eigenen Start-ups. Umgekehrt sind die…