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Erschienen in Ausgabe 2-2020Unternehmen & Management

Zum Schnäppchenpreis

Kommunen sind oft falsch versichert, weil sie den Schutz nicht öffentlich ausschreiben. Dabei ist das oft ihre Pflicht. Über einen Milliardenmarkt im Dornröschenschlaf.

Von Uwe Schmidt-KasparekVersicherungswirtschaft

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Sparen oder draufzahlen? Das ist die große Frage die Kämmerer und Bürgermeister umtreiben dürfte, wenn es aktuell um städtischen Versicherungsschutz geht. War früher üblich, dass Kommunen viel zu viel für ihren Versicherungsschutz zahlten, ist heute oftmals das Gegenteil der Fall. Das Schadenrisiko bei Inventar- und Gebäudeschutz ist zu gering eingepreist. Heute wie damals gilt aber: Vielfach sind die Kommunen falsch versichert, weil sie den Schutz niemals über eine öffentliche Ausschreibung auf den Prüfstand gestellt haben. Dabei ist das oft ihre Pflicht. Noch schläft hier ein Milliardenmarkt einen Dornröschenschlaf. Immerhin wird die Zahl der Kommunen und öffentlichen Institutionen auf 15.000 geschätzt.
Immerhin heben heute öfter Rechnungsprüfungsämter den Finger und fordern eine Kontrolle des Schutzes. Das scheint auch notwendig. „Die Versicherungswerte für Gebäude stimmen fast nie“, sagt der Versicherungsberater Andreas Kutschera aus Mönchengladbach. Viele Experten sind sich einig: In Deutschland wird von der öffentlichen Hand viel zu wenig Versicherungsschutz ausgeschrieben. In Zeiten sehr enger Kassen kann das für Kommunalpolitiker einmal nach hinten losgehen. Wer etwa nach einem Brand, den Totalschaden einer Schule oder noch schlimmer eines Krankenhauses zu tragen hat und nur ein Bruchteil der Summe herausbekommt, könnte nicht nur politischen Ärger bekommen, sondern muss unter Umständen für den falschen Schutz wegen Untätigkeit haften. 

Regionale Unterschiede 

Rund 33 Prozent Prämienersparnis erzielten Kommunen, die sich in der Vergangenheit von InRisCon zu ihrem Versicherungsschutz beraten ließen und diesen öffentlich ausgeschrieben haben. InRisCon-Chef Klaus Obereigner: „Die Spanne der Prämienreduzierungen reicht von 16 bis über 67 Prozent.“ Gleichzeitig wurde der Deckungsumfang optimiert. „Rechtssichere Ausschreibungen minimieren das Risiko der Entscheidungsträger und deren Aufsichtsgremien, für mangelhafte Versicherungsdeckungen persönlich verantwortlich gemacht zu werden“, so Obereigner. Der Berater, der seit vielen Jahren die öffentliche Hand in Sachen Versicherungsschutz berät, ist sich sicher, dass viel zu wenig ausgeschrieben wird. Der Versicherungsberater Jörg Deppner aus Hilpoltstein vergleicht die Situation mit einem riesigen Eisberg. „Lediglich zehn Prozent der Kommunen, die ausschreiben sollten, machen dies auch.“ Pro Jahr finden lediglich 80 bis 150 EU-weite Ausschreibungen von Versicherungsverträgen statt. Dabei muss…