Quelle: SDK
Erschienen in Ausgabe 2-2020Schlaglicht

„Ich habe lernen müssen, dass auch in führenden Medien heute das Regiment des Clickbaiting herrscht“

Ralf Kantak, SDK-Vorstandschef und PKV-Vorsitzender, über die Potenziale der Digitalisierung, politische Reformen und den Wettbewerb im dualen System

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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Herr Kantak, seit Juli 2019 führen Sie den PKV-Verband.  Was hat sich für Sie persönlich und beruflich seitdem verändert?

Ich bin deutlich mehr auf Reisen als vorher, von Berlin bis Brüssel. Das gehört bei einem politischen Interessenverband natürlich dazu, dass man viele persönliche Gespräche mit politischen Entscheidern führt, um unsere Argumente zu erläutern und bestmögliche Lösungen für die aktuellen Themen zu finden. Dabei treffe ich viele sehr interessante Menschen, insofern macht das richtig Spaß – auch wenn die Gespräche manchmal nicht ganz einfach sind. Es gibt ja gelegentlich harte politische Kontroversen, aber auch die kann man auf menschlich angenehme und konstruktive Weise austragen. Bei diesen Gesprächen lernt man eine Menge. Und ich pflege noch intensiver als früher die Kontakte zu den Kollegen aus anderen Unternehmen unserer Branche, denn jeder Verband lebt vom gemeinsamen Nenner seiner Mitglieder.

Kurz nach Ihrem Antritt im Juli hat das Bundeskabinett das Digitale-Versorgungs-Gesetz verabschiedet. Damit können gesetzliche Krankenkassen u.a in Investmentfonds investieren, die wiederum in Start-ups investieren. Die privaten Krankenversicherer haben bereits ihre eigenen Venture-Capital-Fonds aufgelegt.

Innerhalb weniger Wochen ist es gelungen, bei den PKV-Unternehmen schon über 80 Mio. Euro für den Fonds zu mobilisieren. Damit wurde in kürzester Zeit das Zielvolumen von 100 Mio. Euro bereits weitestgehend gefüllt. Unser Venture-Capital-Fonds „heal capital“ ist damit jetzt startklar. Mit diesem Investitionskapital wollen wir nun gezielt die Qualität der medizinischen Versorgung vorantreiben, etwa bei digitalen Gesundheitsanwendungen, Telemedizin, digitaler Prävention oder Digitalisierung der Pflege.

Welche Innovationen haben denn Medizin-Start-ups in den vergangenen Jahren überhaupt vorgebracht?

Man kann z.B. die Telemedizin nennen, die mit ihren Online-Sprechstunden den Zugang zu ärztlicher Versorgung erleichtert – und zwar zu jeder Zeit an jedem Ort, auch weitab der großen Zentren. Übrigens haben uns solche Start-ups berichtet, dass ihnen der Marktzugang vor allem dank der privaten Krankenversicherungen gelungen ist, die als einzige die Telemedizin von Anfang an erstattet haben. Inzwischen findet sie auch Eingang in die GKV-Versorgung. Das zeigt einmal mehr, dass die Privatversicherten Zugang zu modernster Medizin haben – und dass die PKV damit als Türöffner für Innovationen wirkt. Denn sie kann für innovative Angebote einen raschen Zugang zum…