Elke Washausen-Richter, Bafin: „Sehr große oder risikobehaftete Versicherungsunternehmen werden entsprechend häufiger geprüft. Allerdings bleibt kein Unternehmen gänzlich ungeprüft.“
Elke Washausen-Richter, Bafin: „Sehr große oder risikobehaftete Versicherungsunternehmen werden entsprechend häufiger geprüft. Allerdings bleibt kein Unternehmen gänzlich ungeprüft.“Quelle: Bafin
Erschienen in Ausgabe 1-2020Politik & Regulierung

„Wir werden die Prüfungshandlungen auf jeden Fall intensivieren“

Elke Washausen-Richter, Abteilungsleiterin Aufsicht bei der Bafin, über Solvency II, Vor-Ort-Checks und Defizite der Versicherer

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Das neue risiko- und prinzipienbasierte Eigenkapitalregime Solvency ll verlangt bei den Rückstellungen ökonomische Werte statt fester Regeln. Ist die Beaufsichtigung für die Bafin damit komplexer geworden?

Elke Washausen-Richter: Wir sehen uns heute mit einer enormen Bewertungskomplexität konfrontiert, die sowohl die Branche als auch uns fordert. Die Ermittlung der Schadenrückstellungen beruht überwiegend auf mathematisch-statistischen Verfahren, in die eine Fülle an Annahmen eingehen. Solvency II gibt an dieser Stelle nur grundlegende Prinzipien vor, macht aber keine differenzierten Vorgaben, wie die Rückstellung zu berechnen ist. Wichtigstes Prinzip ist der Grundsatz der Proportionalität: Die Vorgehensweise muss mit Blick auf das Risiko angemessen sein.

Wie hat sich die Rückstellungsbildung konkret verändert?

Eine sachgerechte Reservierung basiert auf einem großen Datenpool aus unterschiedlichsten internen und gegebenenfalls auch externen Quellen und Systemen. Für eine angemessene Anwendung aktuarieller Reservierungsmethoden sind neben reinen Abzügen aus Bestands- und Schadensystemen beispielsweise auch Aspekte wie die Zeichnungspolitik, Informationen zum Pricing und das Rückversicherungsprogramm maßgeblich.

Jeder Reservierungsschritt ist maßgeblich durch diesen Datenpool geprägt. Viele Fragen sind im Reservierungsprozess zu lösen: beginnend mit angemessen gebildeten homogenen Risikogruppen bzw. der Segmentierung, über die Auswahl der für den Bestand zielführenden Bewertungsmethoden und deren korrekter Parametrisierung bis hin zur Validierung der ordnungsmäßigen Rückstellungsbewertung.

Wie hat sich die Bafin für die Beaufsichtigung der Rückstellungsbildung aufgestellt?

Durch die Veränderung des aufsichtsrechtlichen Fundaments mussten wir unsere Aufsichtsprozesse und Organisationsstrukturen anpassen. Insbesondere haben wir speziell geschulte Kernteams gebildet, bestehend aus erfahrenen Kaufleuten und Aktuaren. Diese unterstützen referatsübergreifend, quasi als interner Dienstleister, die Prüfungen der Schadenrückstellungen.

Die Bafin verfolgt ein Prüfungskonzept, das sich nach den jeweiligen Prüfungsanforderungen richtet. Zunächst wird risikoorientiert und proportional eine unternehmensindividuelle Prüfungsstrategie festgelegt. Dabei fällt auch die Entscheidung, in welchem Umfang Prüfungshandlungen vorgenommen werden. Zumindest Prozessaufnahmen für das Verständnis der Reservierung sind hierbei immer der Fall. Analytische Prüfverfahren bieten uns eine gute…