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Erschienen in Ausgabe 1-2020Schlaglicht

Es ist kompliziert …

Die Versicherungswirtschaft steht vor einer massiven Aufgabe: Um Komplexitäten  und die damit einhergehende kosten­intensive Legacy-IT abzuwerfen, muss die Branche ihr Produktportfolio vereinheit­lichen. Erst dann werden Versicherer in der Lage sein, sich agil genug mit genau denjenigen Ökosystemen zu vernetzen, die für ihre Marktstrategie zentral sind. Noch allerdings werden die Bestandsprodukte höchst unterschied­lich gemanagt.

Von Johanna von GeyrVersicherungswirtschaft

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Rasche Abhilfe ist dringend geboten. Die angestrebte Digi­talisierung wird nur gelingen, wenn sich sämtliche Produkte konzernweit auf einige wenige Entwicklungsmodelle stützen, welche die aktuariellen, vertrieblichen und technischen Anforderungen des Marktes kohärent lösen. Kein Zweifel, ein solches Rahmenwerk aufzusetzen, ist ein äußerst ambitionierter Plan. Vorreiter wie der chinesische Versicherungskonzern Ping An oder die deutsche Allianz setzen ihn bereits mit großem Engagement um.


„Noch sind unsere Produkte viel zu kompliziert“, räumte Iván de la Sota im im Februar dieses Jahres unumwunden ein. Mit gesundem Selbstbewusstsein stellte der Digitalvorstand der Allianz dann aber auch gleich in Aussicht: „Das wird sich ändern. Künftig werden wir deutlich weniger Produkte haben, die viel ähnlicher aussehen, ähnliche Funktionalitäten haben – und letztlich werden unsere Gesellschaften auf einer gemeinsamen IT-Plattform laufen. Wenn wir Gesellschaften haben, die aus einem Guss sind, können wir jede Innovation in kurzer Zeit dem gesamten Konzern zur Verfügung zu stellen.“

Worauf sich Portfolio-Vereinfacher wie de la Sota stützen, sind insbesondere zwei Erkenntnisse. Die erste besteht darin, dass bei einer näheren Analyse der unterschiedlichen Ausprägungen von vergleichbaren Versicherungsprodukten klar wird, dass die Mehrzahl ihrer Merkmale ausreichende Gemeinsamkeiten aufweisen, um die Bausteine, die diese Merkmale abbilden, in eine gemeinsame Architektur zu überführen. Die weitreichende Übereinstimmung in der Produkt- und Prozesslogik zeigt sich auf sämtlichen Geschäftsfeldern und hält auch den kulturellen Eigenheiten der verschiedenen Landesgesellschaften stand. Vor diesem Hintergrund besteht die wesentlichste inhaltliche Aufgabe darin, die Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und in einer kongruenten Entwicklungsumgebung für alle Produktdesigner im Unternehmen zu erschließen.

Die zweite Erkenntnis besteht darin, dass der technologische Haupt­hinderungsgrund für den konzernweiten Rollout von einheitlichen Pro­dukten inzwischen weggefallen ist. Schließlich hatten frühere Programme zur Produktharmonisierung stets mit dem Umstand zu kämpfen, dass die Legacy-Systeme der unterschiedlichen Business Units zu proprietär und zu heterogen waren, um eine bereichsübergreifende Governance einzuziehen. Ganz im Gegenteil, oftmals luden die unterschiedlichen Plattformen geradezu dazu ein, vergleichbare Marktanforderungen mit jeweils eigenen Mitteln anzugehen. Dank der…