Lichter aus? Geht es nach einer Empfehlung der Deutschen Aktuarvereinigung soll der Höchstrechnungszins ab dem 1. Januar 2021 auf 0,5 Prozent sinken.
Lichter aus? Geht es nach einer Empfehlung der Deutschen Aktuarvereinigung soll der Höchstrechnungszins ab dem 1. Januar 2021 auf 0,5 Prozent sinken.Quelle: Holger Schué auf Pixabay
Erschienen in Ausgabe 1-2020Politik & Regulierung

Noch einmal in sich gehen

Garantiert – dieses Wort hören die Bundesbürger besonders gerne, gerade wenn es um finanzielle Angelegenheiten geht. Garantien geben ihnen in der Regel das, was sie sich am meisten wünschen in der Altersvorsorge – nämlich Sicherheit und Beständigkeit. Doch die Luft in der Lebensversicherung wird dünner.

Von Tobias DanielVersicherungswirtschaft

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Immerhin 83 Millionen Versicherungspolicen gibt es derzeit in Deutschland. Statistisch gesehen hat als jeder Deutsche eine Lebensversicherung abgeschlossen – Ergo-Vorstandschef Markus Rieß hat nach eigener Aussage gar sieben Verträge abgeschlossen. Mehr als 100 Jahre lang bewegte sich der Höchstrechnungszins für Lebensversicherungen in Deutschland bei mindestens drei Prozent. Zwischen 1923 und 1941 sowie von 1994 bis 2000 durften Versicherer sogar mit vier Prozent abzinsen. Drei Jahre später fiel der Zins erstmals unter drei Prozent. Seitdem ging es immer weiter bergab auf das heutige Niveau von 0,9 Prozent. Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Geht es nach einer Empfehlung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), soll der Höchstrechnungszins ab dem 1. Januar 2021 gar auf 0,5 Prozent sinken. „Derzeit gibt es keine Anzeichen, dass sich das zum Teil negative Zinsniveau der vergangenen Monate in näherer Zukunft spürbar verbessern wird. Daher ist eine Absenkung des Höchstrechnungszinses für Neuverträge ab 2021 geboten“, begründet der DAV-Vorstandsvorsitzende Guido Bader die Empfehlung.

EZB-Geldpolitik trifft die Lebensversicherer ins Mark

Ein vermeintlicher Grund liegt für Branchenkenner auf der Hand: Die lockere Geldpolitik der EZB, welche die Lebensversicherer praktisch bis ins Mark trifft. „Wenn die EZB so weitermacht, wird das Niveau der Verzinsung, das sich aus Garantiezins und Überschussbeteiligung zusammensetzt, weiter schrumpfen. Denn natürlich fressen sich die Niedrigzinsen weiter in die Bestände, wo derzeit auch noch hochverzinsliche Anleihen liegen“, kritisierte Nürnberger-Chef Armin Zitzmann im August 2019 im Handelsblatt-Interview. Welche Kosten damit für die Versicherer zukommen, vermochte der Versicherungsmanager zwar nicht zu sagen: „Letztlich schütten wir in der Lebensversicherung mehr als 90 Prozent unserer Kapitalerträge an die Versicherten aus. Die entscheidendere Frage ist also, was kostet dieser Schritt die Versicherten – und das ist viel“, warnt Zitzmann. „Denn die EZB torpediert das private Altersvorsorgesystem der Versicherten. Wenn die Menschen für das Sparen keinen Anreiz mehr haben, dann wird der Druck auf den Staat wachsen, die staatliche Altersvorsorge doch mit irgendwelchen Mitteln wieder sicherzustellen. Da geht es nicht um die Leute, die ein hohes Vermögen haben, sondern es geht um den Normalbürger, der neben der gesetzlichen Rente noch versucht, privat vorzusorgen. Bei Nullzinsen gibt es dafür aber kaum einen…