Produktentwicklung nach Plan: Versicherer reduzieren Kosten, um an anderer Stelle zu reinvestieren und Wachstum zu generieren.
Produktentwicklung nach Plan: Versicherer reduzieren Kosten, um an anderer Stelle zu reinvestieren und Wachstum zu generieren.Quelle: David Karich/ Pixabay
Erschienen in Ausgabe 1-2020Schlaglicht

Schwieriger als gedacht

Versicherungen an sich sind eine komplexe Materie. Die Kunden hätten sie es gerne etwas einfacher. Der wachsende Ehrgeiz der Unternehmen, sich diesem Wunsch über eine neue Produktgestaltung anzupassen, ist konsequent. Doch ist er auch richtig?

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

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Die Vorbehalte deutscher Kunden gegenüber Digitalversicherern sind hoch. Während Unternehmen wie die Allianz, Ergo und Huk schon lange bestehen und bekannt sind, kennen nach wie vor viele Menschen Insurtechs wie Clark, Friendsurance und Friday nicht. 93 Prozent der Kunden, die das Rostocker Insurtech-Unternehmen Hepster kürzlich befragte, waren vor der Buchung unsicher, ob sie dem Digitalversicherer vertrauen können. Auch bei den Versicherungsleistungen waren die Befragten skeptisch. Sie fürchteten vor Vertragsabschluss, dass der Service nicht reibungslos funktioniert (76 Prozent) und dass die mangelnde Erfahrung der Versicherer ein Problem sein könnte (69 Prozent). Die Insurtechs müssen sich auf dem deutschen Markt also erst Vertrauen aufbauen.

Insurtechs schwächeln

Vielleicht liegt es daran, dass sie die gute alte Versicherung in ein Spaßprodukt umwandeln wollen. Was bei den Traditionsunternehmen ein wenig dröge und langweilig daherkommt, mutet bei den Newbies wie die Aufforderung zur Party an. Sie wenden sich tendenziell vor allem an junge Leute, die viel online unterwegs sind und so gar keine Lust auf Papierkram haben. Ihr Versprechen: Wir machen Versicherungen einfacher, billiger und bequemer. Obwohl sich das gut anhört, warnen sogar Verbraucherschützer, die nicht im Verdacht stehen klassische Versicherer über die Maßen zu lieben, vor übereilten Abschlüssen. Denn Versicherungen sind – Party hin, Spaß her – nun mal eine ernste Angelegenheit, da sie vor allem vor existenziellen Risiken schützen sollen. Insofern sind „Randversicherungen“ wie die für Handys, Hunde oder Fahrräder, wie sie von vielen Insurtechs angeboten werden, sicher nicht uninteressant, aber ganz sicher nicht existenzsichernd. Hier ist Leichtigkeit ohne Zweifel eher möglich als bei wirkliche „ernsten“ Themen. Aber muss es denn bei den etablierten Unternehmen, die auch solche Versicherungs-Schwergewichte wie Berufsunfähigkeit, Alter und Pflege absichern, wirklich so kompliziert zugehen wie es – zumindest gefühlt – immer noch der Fall ist?

„Digitalisierung bedeutet für mich nicht, Bestehendes in Nullen und Einsen zu übersetzen. Es geht für mich vielmehr darum, optimale Lösungen für die Kunden zu finden und durch gezielten Einsatz aktueller Technologien unsere Kunden letztendlich zu begeistern“, erklärt Felix Reble, Leiter der digital.werkstatt bei der R+V-Versicherung. Und Vereinfachung, bekennt Volker Hemmelrath, Fachbereichsleiter Sachversicherung im Ressort Business Process & IT…