Erschienen in Ausgabe 9-2019Trends & Innovationen

Abenteuerspielplatz Digitalisierung

Kommentar

Von Michael StanczykVersicherungswirtschaft

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Mein Name ist Michael Stanczyk. Ich bin 34 Jahre alt. Redakteur. Wohnhaft in Karlsruhe. Eigentlich müsste ich Ihnen das alles gar nicht sagen, könnten Sie doch in Sekundenschnelle über Google an diese Informationen gelangen. Ja, ich bin in der analogen Welt aufgewachsen, verbrachte in meiner Kindheit viel Zeit draußen, habe bis in den späten Abend auf dem Bolzplatz Fußball gespielt und erinnere mich noch gut daran, wie man Referate für die Schule mit bloßer Hilfe eines Lexikons aufbereiten kann. Nein, ich bin kein Digital Native. Immer wieder blicke ich voller Erstaunen auf die Kleinkinder in Bus und Bahn, die ein IPad sehen, sofort loswischen und sofort verstehen.


Inszenierung einer Makellosen Wohlfühlkultur


Heute kann ich mir eine Welt ohne Smartphone, Laptop, ohne soziale Netzwerke kaum vorstellen. Zu verlockend ist die digitale Hilfe gerade in meinem Beruf – dem Journalismus – für den schnellen Kontakt, die schnelle Lösung, eine gute Geschichte. Die Technik erlaubt es, auf den Punkt da zu sein. Morgen und übermorgen zu wissen, was passiert. Zu antizipieren. Da hilft das Internet. Obwohl ich sehr genau weiß, wie man ohne auskommt, verspüre ich eine gewisse Bewunderung gegenüber den „Altmeistern“, die den gleichen Job komplett offline erledigt haben. 


Für mich ist Digitalisierung trotzdem keine Generalrezeptur für eine einfache, sich selbsterklärende Welt. Daten, Zahlen, Algorithmen – hinter der Digitalisierung stecken hochkomplexe Prozesse, die für den Nicht-Fachmann kaum zu begreifen sind. Ein schwieriges Feld. Umso mehr geht es am Ziel vorbei, wenn deutsche Unternehmen ihre Arbeitswelten, angespornt durch eben jene Digitalisierung und Konzerne wie Google, Facebook oder Apple, zu einer makellosen Wohlfühlkultur inszenieren. New Working überall. Man präsentiert breit lächelnde Mitarbeiter, die bunte Ideenzettelchen auf gläserne Wände kleben, wirbt mit schier grenzenloser Kreativität und buhlt mit gutem Kaffee, vollen Obstkörben oder Tischkickern um das Objekt der Begierde, den Digital Native, indirekt aber auch um den Kunden. Alles ziemlich lässig.
 

Warum Veränderung nicht immer Spaß machen muss


Mal ehrlich: Kaufen Sie das ab? Mir ist diese vermeintlich perfekte Welt zu eindimensional gedacht. Zunächst, weil New Work nicht nur bedeutet, das System Arbeit anders zu denken und zu gestalten, sondern ein wesentliches Element im Ansatz des Philosophen Frithjof H. Bergmann darin besteht, Mitarbeiter das machen zu lassen, was sie „wirklich, wirklich…