Quelle: Pixabay
Erschienen in Ausgabe 9-2019Schlaglicht

Nichts bleibt dem Zufall überlassen

In Japan züchten Forscher Mischwesen aus Mensch und Tier. Hierzulande müssen sich Versicherer zuächst nur um Klon-Lebensmittel Sorgen machen. Denn rund um „Gentechnisch veränderte Organismen“ (GVO) ergibt sich eine Vielzahl an Risiken für Unternehmen. Diese können signifikante finanzielle Folgen nach sich ziehen – von Personen- und Sachschäden über Vermögensschäden aus Betriebsunterbrechung oder der erweiterten Produkthaftpflicht.

Von Agnes KrämerVersicherungswirtschaft

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Egal ob Roundup-ready Soja, Raps, insektenresistenter, so genannter BT-Mais oder BT-Baumwolle – gentechnisch veränderte Organismen (GVO) sind zum Dauergast in den Schlagzeilen der deutschen Medien geworden. Eine aktuelle Studie des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit zeigt, dass ein Großteil der Verbraucher in Deutschland dem Einsatz von Gentechnik in verschiedensten Industriebereichen nach wie vor ablehnend gegenüber steht. Aber nicht nur Konsumenten müssen sich mit dem Thema auseinandersetzen, auch Unternehmen aus der Lebens- und Futtermittelbranche sowie die verarbeitende Industrie haben Gentechnik auf ihrer Agenda – allerdings mit Blick auf potenzielle versicherungstechnische Risiken.

Unbegrenzte Gefahrenquellen

Die Risiken für Unternehmen sind vielfältig und häufig ist noch unklar, welche versicherungstechnischen Herausforderungen in diesem Zusammenhang anzugehen sind. Ein wichtiger Aspekt sind beispielsweise Gesundheits- und/oder Sachschäden (auch durch Verunreinigungen), die durch Herbizide (wie Glyphosat), Pestizide, Fungizide und andere krebsauslösende chemische Verbindungen verursacht werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat diese Stoffe als wahrscheinliche Ursache etwa für Darmdurchlässigkeiten (oft der Anfang vieler weiterer Krankheiten), Krebs, Herz-Kreislaufstörungen, Allergien, Autoimmunerkrankungen und Diabetes eingestuft. Neben dem Gesundheitsaspekt geht es aber auch um Ansprüche infolge der Verletzung von Patenten, Lizenzen oder der Störung des ökologischen Gleichgewichts (Schäden an der Biodiversität) als unmittelbarer Umweltschaden.
Und schließlich stellen auch mögliche Verstöße gegen die Kennzeichnungspflicht bei der Weiterverarbeitung von GVO in Lebensmitteln potenzielle Gefahrenquellen dar: Gentechnisch veränderte Organismen sowie Lebensmittel und Futtermittel, die aus GVO bestehen, diese enthalten oder daraus hergestellt werden, müssen laut EU-Verordnung gekennzeichnet werden, ebenso Saatgut von gentechnisch veränderten Pflanzen, gentechnisch veränderte Schnittblumen und viele weitere Produkte. Oft sind sich Unternehmen ihrer Pflichten hier nicht bewusst und gehen allein damit ein wachsendes Risiko ein.

Gespaltene Marktsituation in Deutschland

Die Gentechnik und gentechnisch veränderte Organismen zählen zu den sogenannten Emerging Risks: Die Deckung dieser Risiken stellt für die Versicherungswirtschaft eine große Herausforderung dar, da diese mit traditionellen Methoden nur schwer zu…